2004 - KARIBU EMALI
Sonntag 1.2.04
Endlich ist es soweit: Unser Flug geht um 19:45 Uhr mit der „Edelweiss“ ab Zürich Richtung Mombasa. Noch zu Hause, warten wir auf Rolf. Pünktlich um 15:30 Uhr fährt er vor dem Haus vor. Sieben Koffer, zwei Rucksäcke und drei Personen finden gut Platz im Kombi. Am Bahnhof angelangt, steht auch schon unser Zug bereit. Ohne Probleme können wir unsere „Bagasch“ im Zug verstauen. Um 16:11 Uhr, ohne Verspätung, fährt er Richtung Flughafen Kloten. Auch beim Ausladen läuft Alles reibungslos. Der junge Schaffner hilft uns sogar, die teils schweren Gepäckstücke auf den Gehsteig zu bringen.
Am Check-In Schalter bei Jet Aviation, Reihe 10, läuft auch alles ohne Probleme. Mit 130 kg Gepäck, 7 Koffern in diversen Grössen und Farben, verschieden verschlossen und verklebt, haben wir genau um 17:30 Uhr eingecheckt.
Nun sitzen wir nur noch mit zwei prall gefüllten Rucksäcken an der bey-bey Bar und geniessen einen Champagner und warten auf den Abflug.
Nach der Passkontrolle haben wir einen weiten Weg bis zum Flieger. Mit dem neuen Anbau geht es über einen langen Flur zu einer Untergrundbahn und dann wieder rauf zum Abflug E. Nach gut 20 min. haben wir unser Endziel Gate erreicht. Die letzte Zigarette geniessen wir in einer kleinen Bar. Bald ist es soweit und wir können starten: Auf in ein wunderbares Abenteuer!
Montag 2.2.04
Pünktlich um 6 Uhr lokale Zeit landen wir in Mombasa. Der Himmel zeigt sich bewölkt und die Temperatur kommt uns mit 32 Grad und einer hohen Luftfeuchtigkeit entgegen. Es folgt das übliche Prozedere: Zettel müssen für das Visum ausgefüllt werden, am Zoll bilden sich lange Warteschlangen, Jedermann, -frau hat mit der Müdigkeit zu kämpfen und auch das feuchtwarme Klima macht einigen auch schon zu schaffen.
Unsere 7 Koffer sind alle heil angekommen. Der eine oder andere droht zwar auseinander zu fallen. Wir legen je 15 Euro in den Pass und halten Ausschau bei wem wir unser Gepäck durchschleusen können. Da…. uns winkt ein sympathischer Mann zu. Etwas schon in die Jahre gekommen, dafür trägt er keine Patten und ist männlich. Er stellt uns die üblichen belanglosen Fragen während dem er unbemerkt das Geld aus den Pässen nimmt. Ohne grosses Aufsehen können wir passieren und sind um 30 Euro ärmer. Draussen werden wir von Mam und Justus, ihr Lebenspartner, in Empfang genommen. Das Gepäck verstauen wir in zwei Taxis und schon geht es ab nach Hause, ins Chania Palace, am Strand von Bamburi.
Auf dem Weg ins traute Heim herrscht auf den Strassen ein völliges Chaos. Der Verkehrsminister Mr.Michuki hat im Dezember 03 ein neues Gesetz per 1.2.04 erlassen. Weil es jeden Monat zu viele Verkehrstote gibt, gilt ab sofort für alle Lastwagen und öffentlichen Verkehrsmitteln Gurtenpflicht. Die Fahrzeuge müssen plombiert und speziell markiert sein, die Fahrer von Bussen müssen Uniformen und auch spezielle Ausweise mit Foto tragen. Wie soll das nur funktionieren? Die Menschen hier haben zu wenig bis gar kein Geld. Die Folge ist verheerend! Tausende Menschen die zur Arbeit müssen, Kinder die zur Schule wollen und unzählige Leute, die sonst ihre Pflicht erfüllen, warten entlang der Strassen auf ein Transportmittel – vergebens! Es bleibt nichts anderes übrig als zu Fuss zu gehen und das über sehr weite Strecken. Von 40`000 Fahrzeugen sind nur gerade 6000 neu ausgerüstet. Auch für uns machen sich einige Probleme breit. Von und nach Nairobi gibt es zur Zeit nur einen Bus. Bei der Trailstation erfahren wir, dass bis am Samstagmorgen alles ausgebucht ist. Auch die Preise sind zum Teil bis zum Vierfachen gestiegen. Wie und wann und vor allem wie teuer kommen wir nach Emali und auch wieder zurück? Uns bleibt nur zu hoffen, dass es so schnell wie möglich wieder rund läuft. Sonst sitzen wir in Mombasa fest. Wir werden morgen noch einmal einen Versuch starten. Für heute können wir nichts mehr tun.
Dienstag 3.2.04
Der Morgen zeigt sich auch heute bewölkt bei 29 Grad. Erholt vom gestrigen Tag stehen wir um 8:30 Uhr auf. Gestärkt machen wir uns nach dem Frühstück auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz. Den Gedanken, mit dem Bus zu reisen haben wir mittlerweile aufgegeben. Wir entschliessen uns, ein Auto zu mieten.
Ein Schweizer bietet uns ungern seinen letzten Jeep an. Der scheint mir zu teuer. Bei einem Inder ist der Preis billiger, dafür macht uns das Auto nicht gerade einen guten Eindruck und ein Teil der Versicherung fehlt ebenfalls. Also geht die Suche weiter. Von Nyali aus fahren wir mit dem Taxi in die Stadt. Überall sind Busse, Matatus und Lastwagen zu sehen, die einfach still stehen. Unterwegs passieren wir einige Verkehrskontrollen mit bewaffneten Polizisten. Bevor die Fahrzeuge nicht alle nach den neuesten Vorschriften ausgerüstet sind, geht hier keines mehr auf die Strassen.
Zwei weitere Autovermieter haben nichts mehr. Alle Autos sind schon vergeben. Endlich haben wir eins gefunden. Zu einem guten Preis mieten wir einen Toyota. In Kenya läuft immer alles sehr, sehr langsam. Doch mit viel Geduld, und vor allem Geld, kriegt man hier beinahe alles was man will. Nach 5 Stunden sind wir wieder zu Hause. Da der Geldbeutel schon leer ist, machen wir uns auf den Weg zur Bank. Mit so hohen Kosten haben wir nun wirklich nicht gerechnet. Damit wir morgen pünktlich starten können, müssen wir noch einige Sachen packen und uns vorbereiten.Nach getaner Arbeit stürzen wir uns noch in die warmen Fluten des Meeres. Bei 30 Grad Wassertemperatur ist es schwierig sich abzukühlen. Trotzdem geniessen wir es in vollen Zügen. Den heutigen Tag schliessen wir mit einem Grillabend, Bier und dem obligaten Tequila ab.
Mittwoch 4.2.04
Heute ist schon um 6:30 Uhr Tagwach. Trotz bewölktem Himmel, zeigt das Thermometer bereits 28 Grad an. Nach dem Frühstück gehen wir nicht weit von uns zur Autovermietung.
Typisch Kenya: Das Auto ist ein anderes und noch nicht bereit für die Abfahrt. Es muss noch voll getankt und gewaschen werden. Na ja, das kann ja dauern. So langsam verspüre ich ein kribbeln im Bauch. Ich hoffe, dass alles gut geht. Es ist ein langer, mühsamer Weg nach Emali.
Endlich ist es soweit. Mit 1¼ Stunden Verspätung fahren wir voll gepackt mit 7 Koffern, 3 Rucksäcken, 2 Schachteln mit Lebensmitteln, 3 Reisetaschen, Justus, Thomas und meine Wenigkeit um 9:50 Uhr los. Das Auto ist randvoll, sozusagen völlig überladen. Die ersten 60 km sind sehr mühsam. Die Strasse ist voller Löcher und von der Sonne und den vielen Trucks gibt es tiefe Fahrspuren im Teer. Auch hohe Schwellen hinterlassen beim Chassis schon die ersten Spuren. Na ja, wenn nur das Auto nicht auseinander fällt und die Stossdämpfer halten. Das Autofahren erfordert meine ganze Aufmerksamkeit. Die nächsten 100 km sind ganz angenehm. Mit 100 – 120 kmh fahren wir weiter nach Voi. Mittlerweile haben sich die Wolken zum Teil verzogen. Bei 32 Grad erreichen wir am Mittag Voi, es liegt auf 610 m Höhe. Hier machen wir nach 2 ½ Stunden Fahrt eine wohlverdiente Pause. Wir haben noch gute 220 km vor uns.
Gestärkt mit Samosa fahren wir um 12:50 Uhr weiter. Weitere 100 km sind ebenfalls gute Strassenverhältnisse. Aber dann sagt Justus: „Achtung“, jetzt kommen viele Löcher und die Strasse wird enger. Oh Schreck, oh Graus….. tatsächlich. Es ist der blanke Horror!
Zum Teil muss ich den Wagen anhalten und schauen, ob ich links oder rechts an den riesengrossen Löchern vorbei zielen soll. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, die havarierte Teerstrasse zu verlassen, um auf der Naturstrasse den Löchern auszuweichen. Also, mit dem schnell fahren ist es endgültig vorbei. Wir quälen uns für die letzten 120 km mit max. 60 kmh durch den völlig zerstörten Asphalt weiter Richtung Emali.
Nach insgesamt 6 Std. Autofahrt erreichen wir Emali um 16:20 Uhr. Das Auto hat einige Schläge einstecken müssen. Noch mehr und es währe wahrscheinlich völlig demoliert. Ich hoffe, wir alle hoffen, dass der Rückweg mit weniger Gepäck besser verläuft. Bei einer Garage lassen wir das Auto checken. Zuerst brauchen wir Luft in die Reifen. Es stellt sich auch heraus, dass der rechte hintere Stossdämpfer Öl verliert. Na ja, da kommt ja noch Einiges auf uns zu. Hoffe nicht.
Emali befindet sich nach 375 km auf der Strecke Mombasa – Nairobi auf einer Höhe von 1085 m über Meer. Es besteht aus zwei Teilen, Emali Stadt und Emali Dorf. Das Dorf liegt auf einer Höhe von 1162 m über Meer. In der Stadt leben ungefähr 10`000 Einwohner und im Dorf, das verteilt auf den Berghügeln liegt, ca 5`000. Gut die Hälfte der Einwohner ist katholisch, die andere protestantisch und nur ein kleiner Teil moslemisch. Es gibt hier Schreiner, Mechaniker, Schlosser, Maurer und Händler. Der Verdienst im Monat ist durchschnittlich 4000.- Ksh, das sind ca. 80.- sFr.. Nicht gerade viel für eine 4, zum teil bis 8 köpfige Familie. Die Familien leben in einer Sippe zusammen. Die älteren Familienmitglieder werden bis zum Tode gut versorgt. Im Tal befindet sich ein Spital, das aber nur gerade für kleinere Probleme eingerichtet ist. Für schwerwiegende Fälle und Operationen müssen die Bewohner 100 km weit gehen, um sich in Machakos behandeln zu lassen. Und dies können sie auch nur, wenn genügend Geld vorhanden ist.
Hier in dieser Gegend wird vor allem Mais, Bohnen, Kartoffeln und Sukuma angepflanzt. Es wachsen auch Mangos und Bananen. Seltener findet man Orangen. Für alles Andere fehlt es an gutem, nahrhaftem Boden und Wasser. Die Leute müssen das Wasser im Muoni-Fluss holen, welcher zum Teil bis zu mehr als 6 km weit entfernt fliesst. Die andere Möglichkeit ist, das Wasser in der Stadt zu kaufen. Vom Kilimandscharo führt eine Pipeline quer durchs Land. Sie bringt sauberes Wasser. Ein 20-Liter Kanister kostet 120 ksh, ca Fr.2.20.
Der Platz in Emali-Dorf, wo Justus zu Hause ist, hat die Familie vor 20 Jahren für 10`000 ksh gekauft. Heute hat das Land das 4-fache an Wert. Es hat eine ungefähre Grösse von 3 Hektaren.
Wir machen uns nun auf die letzte Etappe von 6 km. Thomas muss jetzt weiter fahren. Ich habe keine Nerven mehr dazu. Der Highway hat mich völlig geschafft! Der Weg führt entlang auf einer Naturstrasse in ein breites Tal hinein. Um das Auto zu entlasten, lassen wir die schwersten 4 Koffer bei Hassan, ein Neffe von Justus. Den Rest nehmen wir mit. Die Fahrt geht weiter ins Tal hinein. Justus meint plötzlich: hier rechts abbiegen. Wie bitte?! Super – auf diesem Weg müssen wir fahren? Oh meine Güte, das auch noch. Steil, holprig, glitschig und gerade nur knapp eine Autobreite geht es rauf ins Bergdorf. Mit einem Jeep wäre dies kein Problem. Doch Justus sagt immer: „Hakuna matata“ ( kein Problem). Er hat vielleicht keine, ich schon. Den letzten Kilometer gehe ich zu Fuss.Endlich am Ziel angelangt, parkiert Thomas das Auto zwischen einfachen Bauten aus Holz und Erde. Hier können wir unser durchgeschütteltes Gefährt ohne Probleme während unseres Aufenthaltes stehen lassen. Hier ist es gut aufgehoben. Von den Nachbarn werden wir mit Maiskolben herzlich empfangen. Sie werden unser Auto gut hüten. Die letzten Meter gehen wir zu Fuss zur Familie Kassimu, wo wir die Gastfreundschaft geniessen dürfen. Um 18:00 Uhr haben wir unser Endziel endlich erreicht. Von allen herzlichst empfangen, kommt auch schon der erste Besucher. Es ist Mr. Michael, der Schulleiter. Während wir auf das Abendessen warten wird eifrig diskutiert. Zum Abschluss des Tages trinken wir unseren bewährten Tequila bevor wir todmüde ins Bett fallen. Es hat angefangen, stark zu regnen. Ich hoffe nur eins!! Dass wir nach unserem Aufenthalt in Emali mit unserer Limousine unbeschadet den Berg hinunter, sowie heil nach Mombasa zurückkommen.
Donnerstag 5.2.04
Da nachts die Antilopen durch die Gegend ziehen und sich in den Maisfeldern vergnügen, bellen die Hunde, die überall in den Sippen gehalten werden. Wenn es ganz hoch kommt, fangen sie auch noch an zu heulen und auch die Esel geben ihr Ständchen dazu. Es ist klar, bei soviel Lärm kann man schlecht, oder gar nicht schlafen. Die ganze Nacht hat es stark geregnet und die Regengüsse prasselten auf die Blechdächer nieder.
Um 7:30 Uhr ist trotz Regen und kühlfeuchten 20 Grad Tagwach. Nach dem Frühstück, Kaffee und Zitronencake, machen wir uns auf den Weg zur Schule. Wir haben einen glitschigen Fussmarsch von 35 Min. Für viele Kinder ist ein Weg von mehr als 10 km täglich angesagt. Darum sind die Kenyaner gute Läufer. Sie trainieren von klein an.
In der Schule angekommen, springen uns die Kinder mit lachenden Augen aus den Klassenzimmern entgegen. Alle freuen sich auf unseren Besuch. Nach vielem Lachen, Winken, Begrüssen und Händeschütteln, machen wir uns an die Arbeit. In Begleitung des Schulleiters Michael und dem Schulverwalter Simon, inspizieren wir alle Klassenzimmer und die umliegenden Gebäude. Die Kinder verlieren immer mehr ihre Scheu. Es ist herrlich, sie zu beobachten. Manche machen Annäherungsversuche und betasten uns von hinten. Sie wollen die Haut und die Haare spüren und greifen mit einem Finger danach. Thomas spielt mit den Kindern eine runde Fussball. Es ist mittlerweile sonnig und heiss geworden. Nach gut 2 ½ Std. haben wir alles gesehen und Notizen gemacht. Wir gehen ins Büro von Michael und besprechen unser Vorhaben. Das Wichtigste, so scheint uns, sind 2 Fenster für die Vorratskammer. Es ist zu heiss in diesem Raum. Alle Säcke, gefüllt mit Mais, sind befallen von Schädlingen, die den Mais zerstören. Er wird trotz Befall täglich den Kindern zum Lunch gekocht. Auch fehlen 23 weitere Fenster mit Gitter und 6 Türen. Mit dem Fundi (Arbeiter), Zement, Transport und Material kommt alles auf ca 114`000 ksh. Umgerechnet sind das ca 2000.- sFr. Als Weiteres wollen wir diverse Lehrmittel, wie Filzstifte zum Auffüllen, spezielle Hefte, wo die Lehrer Notizen über die Schüler machen und den persönlichen Stundenplan erstellen können, Kugelschreiber in blau und rot, sowie grosse farbige Papierbögen zum zeichnen und für die Kinder Schulmaterial kaufen. Es wird gerechnet und diskutiert. Auch einige Fragen, die für uns noch offen sind, werden geduldig beantwortet. Wir beschliessen, dass wir morgen in die Stadt fahren und einen Grosseinkauf tätigen.
Plötzlich: Auf dem Pausenplatz findet sich die ganze Schule ein. Der Schulleiter und die Lehrer veranstalten uns zu Ehren Tänze und Lieder als Begrüssung und heissen uns von Herzen willkommen. Alle sitzen wir draussen und geniessen die Vorführungen. Es gibt Einiges zu sehen. Wir lauschen den Trommelklängen und dem Gesang. Auch ich versuche mich als Tänzerin. Alle finden es lustig. Mit der Zeit wird es auf dem Platz eng. Die Kinder rutschen immer dichter zu uns heran. Beim letzten Gesang mit Tanz werden wir sogar noch beschenkt. Die Lehrerinnen binden mir ein Tuch um die Hüfte und hängen mir einen Korb voll mit Früchten um. Sie zeigen uns, wie man hier die Körbe traditionell trägt. Beladen mit Maiskolben, Bananen, Papaias, Mangos und Orangen, stehe ich gerührt in der Menschenmenge. Für Thomas und mich ist es wirklich eine grosse Ehre. Zum Schluss hält Michael eine Dankesrede auf Gamba. Ich mache dasselbe in Englisch und Justus übersetzt jeweils. Voller Freude und mit vielen Eindrücken machen wir uns langsam auf den Weg nach Hause. Eine kleine Schar Schulkinder begleitet uns händehaltend ins Bergdorf zurück. Um 16:30 Uhr geniessen wir Kaffee, Tee und eine erfrischende „Kübelidusche“! Zum Abendessen wird uns Sucuma mit Mais serviert.
Freitag 6.2.04
Jeden Morgen wird der ganze Hof gewischt. Im Grossen und Ganzen leben die Leute sauber. Das Regenwasser wird gesammelt, das sie für die Körperpflege, die Wäsche, zum Kochen und für das Geschirr waschen gebrauchen. Wenn keins mehr vorhanden ist, gehen sie zum Muonifluss, der ca. 4 km entfernt liegt und schöpfen dort mühsam das Wasser in die Kanister. Ist dieser Fluss mal ausgetrocknet, müssen sie zu einem anderen gehen, der aber einige km weiter entfernt liegt. Oder sie gehen in die Stadt, um dort für teures Geld Wasser zu kaufen. Da die Menschen kein WC-Papier vermögen, herrscht mit dieser Körperhygiene überall ein Chaos. Manchmal, zwar eher selten, werden Blätter, oder in den wenigsten Fällen Zeitungen, verwendet.
Auch die Ernährung ist sehr einseitig: Sucuma, ähnlich wie Krautstiel, Mukunde, schmeckt wie frisch geschnittenes Gras, Kabis, Maiskolben oder Bohnen mit Mais. Dazu wird meistens Ugali (Cima) serviert. Das ist ein Maispulver mit vielen Vitaminen, das mit Wasser gekocht wird. Ähnlich wie unsere Polenta. Als Gewürz verwenden sie Salz, pflanzliche Margarine und Zwiebeln. Fleisch gibt es eher selten. Wenn Besuch erwartet wird, dann opfern sie ein Suppenhuhn. Und, wenn dies nicht gut 2 Std. gekocht wird, ist es sehr zäh.
Der Hahn weckt uns um 5 Uhr morgens. Es ist noch dunkel und wir bleiben liegen. Um 7 Uhr erwacht der ganze Hof und auch wir mischen uns, zwar noch müde, unter die Sippe. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in die Stadt, um für die Schule einzukaufen. Das Wetter zeigt sich heute von der besten Seite. Um 8:30 Uhr haben wir schon 28 Grad. Mit einem Pick-up fahren wir los. Heute ist grosser Markt in Emali-Stadt. Die Menschen kommen von weit her, um ihre Sachen zu verkaufen. Im Book-shop haben wir beinahe alles bekommen: für die Schulkinder je 2 Hefte, eins zum Schreiben und eins zum Rechnen – total 1120, für die Lehrer 48 Filzstifte, inkl. Füllpatronen, 48 Kugelschreiber, 16 einfache Ordner, 32 Bücher und 16 dicke Blöcke Schreibpapier. Da die restlichen Lehrmittel nicht vorhanden sind, bekommt Michael eine Quittung. 320 farbige Papierbögen, 2 Bücher und einige Filzstifte kann er später beziehen. Auch freut er sich riesig, dass er jetzt in Besitz eines Bostich ist. Den hat er sich schon seit Jahren gewünscht. Der Verkäufer Jackson gibt mir stolze 5% Rabatt. Mehr liegt nicht drin, weil die Preise von der Regierung bestimmt werden. Für das ganze Schulmaterial bezahlen wir 33`870 ksh oder Fr.584.-.
Wir sind alle zufrieden und gehen zum nächsten Shop. Hier bezahlen wir das Material für 27 Fenster und 6 Holztüren, den Zement, die Fundis (Arbeiter) und den Transport. Nach einer langen Diskussion und hartem Feilschen verspreche ich James Kimilu, unserem Fundi, Kleider für seine 4 Kinder. Dafür gibt er mir 4300.- ksh Rabatt und wir sind 109`700 ksh ( Fr. 1892.-) ärmer. Das Material ist sehr teuer und kommt von Nairobi. Viel verdient er nicht daran. Umgerechnet 60 Rappen pro Fenster müssen sich nun 4 Arbeiter teilen. James Kimilu bedankt sich mit starkem Händedruck. Er freut sich auf die Arbeit und auf die Kleider für seine 4 Kinder. Um 13:00 Uhr verlassen wir den Shop. Für heute wird nichts mehr eingekauft.
Mittlerweile hat das Thermometer im Schatten 31 und an der prallen Sonne 43 Grad erreicht. Das ist ganz schön viel Kenya. Endlich können wir los. Der Schulverwalter, Simon Musoi Mojyetomo, hat für uns einen Transport organisiert. Der Vater eines Schulkindes stellt uns seinen Lastwagen zur Verfügung. So können wir das ganze Schulmaterial problemlos verladen. Hier in Emali ist man über jedes Fahrzeug dankbar, das einen irgendwie an den gewünschten Ort, oder mindestens in die Nähe bringt. Ich hoffe, dass das nicht die letzte Fahrt sein wird….. der Lasti droht, entweder beim nächsten Loch in der Strasse auseinander zu fallen, oder….er explodiert gleich. Auf dem Weg zur Schule entdecke ich noch einen Coiffeursalon. Ist doch klar; auch hier nehmen wir einen Augenschein. Und wie immer werden wir von allen Beteiligten begleitet.
Ca. um 14:30 Uhr erreichen wir völlig durchgeschüttelt die Schule. Die Lehrer erwarten uns zu Sucuma, Ugali und Gugu. Der Lunch schmeckt uns sehr gut, nur das Huhn ist etwas zäh. Man braucht gute Zähne und Kaumuskeln. Nach dem Essen hält der Schulleiter eine Rede. Alles was Thomas und ich heute eingekauft haben wird mit Menge, Rabatt und endgültigen Preis erwähnt. Wir erhalten viel Dank und Lob für die geleistete Hilfe. Auch ich darf noch einige Worte los werden. Speziell erwähne ich unsere lieben Spender, denn ohne die könnten wir nicht so viel Gutes tun.
Wir verabschieden uns bei allen mit starkem Händedruck. Mit auf den Weg bekommen wir noch zwei Papaias und ein schönes Gebet. Wir nehmen nochmals einen kurzen Augenschein der Schule. Sämtliches, was gemacht wird, halten wir auf Fotos fest. Auch über die alten Wasserzisternen zerbrechen wir unsere Köpfe. Schliesslich wollen wir wissen, was wir in einem Jahr zu tun haben.
Der Abschied von den Kindern fällt uns nicht leicht. Wir haben sie in unser Herz geschlossen. Auch wir dürfen hier Vertrauen, Liebe, Freude und Glück entgegen nehmen. All die Menschen, die mit der Schule zu tun haben, haben wir, unsere Familie, Freunde, Bekannte und Kunden glücklich gemacht. Ein Beweis ist allein schon, dass im vergangenen Jahr die Leistungen der Schüler hervorragend waren. Die Nundune Primar Schule ist in der ganzen Region auf Platz 1 vorgerückt!
Zu Hause angelangt, geniessen wir die letzten Sonnenstrahlen. Es war heute ein heisser Tag. Von Emali-Stadt bringt Nikodemas 40l frisches Wasser. Er hat mit dem Velo für beide Wege 2 ½ Std. gebraucht. Eine erfrischende „Kübelidusche“ tut gut. Obwohl das Wasser weniger als lauwarm ist, geniesse ich es, die Haare zu waschen. Sogar unsere Hemden bekommen Wasser zu spüren. Schliesslich wollen wir am Sonntag mit sauberen und frischen Kleidern in die Kirche.
David sitzt jeden Abend bei uns und ist uns in jeder Art und Weise behilflich. Er lässt uns immer zuerst essen. Wenn wir fertig sind, isst er den Rest. Anschliessend erledigt er noch dies und das. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man so behütet wird. Er macht alles für uns. Zum Abendessen gibt es Ugali, Gugu und einen wunderbaren Cabage mit Zwiebeln. Das ganze runden wir, wie immer, mit Tequila ab.
Samstag 7.2.04
Der Morgen präsentiert sich heute im dicken Nebel bei 22 Grad und starken Nebelrieseln. Die „Mama“ ist um 7:00 Uhr auch schon wieder auf den Beinen. Sie begrüsst uns jeden Morgen und fragt auf Gamba; ob ich gut geschlafen habe. Meistens rede ich mit ihr in Schweizerdeutsch. Wir verstehen uns prächtig und es gibt auch immer was zu lachen. Mittlerweile hat sich der Nebel verzogen. Ich denke, dass sich heute die Sonne nicht zeigt. Geduldig warten wir auf Hassan. Er und David, ein Nachbar, begleiten uns heute auf den langen Fussmarsch zum Fluss und anschliessend zu Michael. Wir sind zum Lunch eingeladen. Eine nette Nachbarin kommt vorbei und gibt uns als Willkommensgeschenk 3 Papaias. Nun haben wir soviele Früchte, dass wir auf dem Markt gute Chancen hätten. Mittlerweile ist auch Hassan eingetroffen. Wir richten uns und machen uns langsam auf den Weg zum Fluss. Es ist immer noch recht kühl und für heute brauchen wir unsere Regenjacken.
Bis zum Fluss brauchen wir gute 35 min. Während der Regenzeit ist der Muoni-Fluss voll bis oben hin. Unterwegs treffen wir auf einige Leute, die ihre Kühe und Ziegen am Fluss tränken wollen. Wir haben Glück. Am Flusslauf entdecken wir einen Jungen, der gerade Wasser aus einem Sandloch schöpft. Er hat keinen Esel zur Verfügung, er muss seinen Kanister selber tragen. Entlang des Flusses gibt es guten Boden und meistens auch genügend Wasser. Weiter unten zeigt uns ein Bauer voller Stolz seinen ganzen Gemüseanbau. Er erklährt uns wie man Sucuma und Danhia anpflanzt. Hier wachsen Tomaten, Kartoffeln, Zwiebeln und Zucker. Als Dünger verwenden sie den Kuhmist, den sie in Säcken sammeln. Rund herum gibt es wild wachsende Papaiabäume mit grossen Früchten. Wir gehen weiter. Unterwegs erfahren wir, wie die Menschen hier die Natur voll nützen. Hassan ist ein guter Reiseleiter. Geduldig erklärt er uns, wie man aus den Bäumen Holzkohle gewinnt, wie aus vertrockneten Agavenblätter Sisal hergestellt wird, in Form von Taschen und Schnüren zum tragen, und wie Makutidächer gemacht werden. Auch einige kleine Lebewesen in Büschen und kleinen Höhlen kommen nicht ungeschoren davon. Sogar eine giftige, kleine Kobra dürfen wir bestaunen.
Wir machen bei einem kleinen Shop halt. Ein Mann ist gerade dabei, Chapati her zustellen und in einem Topf kocht ein feiner Chai-Tee. Wir müssen leider weiter.
Nach gut 2½ Std. Marsch treffen wir endlich bei Michael ein. Im Schlepptau haben sich noch 2 andere Jungs als Bodyguards dazu gesellt. Seine Frau erwartet uns bereits. Das Haus sieht sehr schön und gepflegt aus. Selten kann sich eine Familie so viel Luxus leisten. Die Wolken haben sich endgültig verzogen. Im Haus geniessen wir den Schatten, während draussen die Temperatur langsam steigt. Wir sind vom langen Fussmarsch müde geworden. Einer nach dem andern beginnt zu schlafen.
Nach gut 2 Std. ist der Lunch fertig. Was gibt es??? Ugali, Sucuma und schon wieder ein zähes Huhn. Wou… in einem Topf entdecke ich noch Kartoffeln. Mhh…die schmecken uns besonders gut und sind eine willkommene Abwechslung. Heute gibt es Orangen zum Dessert. Die Gastfreundschaft in Kenya ist sehr, sehr gross und auch wichtig. Der Gastgeber lässt immer zuerst die Gäste essen und erst danach kommt er zum Zug.Ob viel oder wenig übrig ist, es muss reichen.
Die Frau von Michael und ihre Schwägerin bestehen auf ein Foto mit uns. Anschliessend machen wir uns auf den Weg nach Hause. Die beiden Frauen begleiten uns ein langes Stück. Unterwegs machen wir bei zwei anderen Familien einen Fotohalt. Überall sind wir herzlich willkommen und wir werden mit offenen Armen empfangen. Ach…ich liebe das Land und die Menschen hier.
Nach gut 1½ Stunde, kommen wir wohlbehalten zu Hause an. Der ganze Hof ist tüchtig bei der Hausarbeit. Inis wäscht noch die wenigen Babykleider. Die kleine Lina ist gerade 2 Monate alt. Jeanette und Jeanis bereiten das Abendessen vor. Hassan schneidet sich mit einer einfachen Rasierklinge die Nägel. Die anderen Männer sitzen mit der Mutter bei uns. Für uns klingt Gamba schon sehr vertraut, obwohl wir nichts verstehen. Es ist so schön zu erleben, wie die ganze Familie zusammenhält. Jeder sorgt sich um den anderen. Die Alten sterben zu Hause und die Babys werden hier geboren. Alles scheint so einfach und völlig unkompliziert zu sein.
Nun geht jeder wieder seiner Arbeit nach. Jeanette kocht in der Küche Mukunde. Der Raum ist gefüllt mit starkem Rauch. Inis kocht für uns in ihrem Haus. Wir sind gespannt, was es heute zu essen gibt. Anton hat als einziger einen Job und ist noch am arbeiten. Er betreibt mit David einen kleinen Shop, wo er Chaitee und Chapati selber macht und verkauft. Auch kleinere Sachen gibt es dort zu kaufen wie Mehl, Zucker, Fett und Salz. Die Mutter sitzt vor der rauchenden Küche und redet vor sich hin. Sie hat schon ein stolzes Alter von 73 Jahren erreicht. Die Männer sind sonst am diskutieren. Also ist es eine klare Sache: Die Frauen verrichten die meiste Arbeit. Damit alle Bäuche satt werden, brauchen die Frauen je nach Gericht bis zu 2 Std. Es muss gerüstet, gewaschen und gekocht werden. Und das alles in der Regel mit nur einer Feuerstelle. Die Gerichte sind sehr, sehr gut. Wir werden so richtig durchgefüttert. Zu Hause essen wir selten so viel und so oft. Für uns gibt es immer Besteck und vor dem Essen werden immer die Hände gewaschen.
Jeannette macht am offenen Feuer Maiskolben für uns. Obwohl wir noch keinen Hunger haben, wollen wir sie nicht enttäuschen. Sie findet sogar noch Zeit, um sich und die Kinder zu waschen. Doch es eilt, denn bald wird es dunkel.Zum Abendessen gibt es mal Reis. Dazu Sucuma und schon wieder Huhn. Jeannette bringt uns noch spät Mukunde zum probieren. Mhh… fein, es schmeckt ähnlich wie Blattspinat. Im Mondschein putzen wir unsere Zähne . Die Nacht ist wunderschön – der ganze Himmel ist voll mit Sternen.
Sonntag 8.2.04
Wou – die erste Nacht, wo wir besser geschlafen haben. Der Hahn weckt uns wieder sehr früh. Da sonst noch alles ruhig ist bleiben wir noch liegen. Um 7:30 Uhr weckt uns die Lust nach Kaffee. Das Wetter wechselt oft in der Nacht. Heute morgen sieht es aus, wie bei uns an einem kühlen Novembertag. Regen, Nebel, windig und 21 Grad. Mit der Zeit fühlen sich 21 wie 15 Grad an. Alles ist feucht und klamm. Kein Wunder sind die Kinder viel erkältet. In den Häusern geht man barfuss, damit nicht der ganze rote Sand hinein gertragen wird. Viele der Menschen hier besitzen nicht mal Schuhe weil sie die schlichtweg nicht vermögen.
Alle sind schon wieder fleissig, waschen Kleider, wischen den steinigen, sandigen Hof und machen Frühstück. Wir hoffen, dass das Wetter auf den Nachmittag besser wird, denn heute ist ein weiterer grosser Tag für das Emali-Dorf. Wir verteilen heute die Kleider, auf die sie schon so lange warten.
Endlich ist es soweit. In Begleitung von Michael, Simon und Justus machen wir uns auf den Weg zur Kirche. Wie immer haben wir auch heute einen langen Fussmarsch von ca. 10 km vor uns. Der Weg führt an der Schule vorbei. Hurra - ein Pick-up hält. Er nimmt uns alle für 80 ksh mit. Obwohl es immer wieder regnet, hat sich das Wetter etwas gebessert. In der Kirche angekommen, kommt uns auch schon der Pfarrer entgegen. Mit Freude werden wir begrüsst und willkommen geheissen. Die Kirche beginnt. Es wird getanzt, gesungen, geklatscht und viel geredet. Die Menschen sind zum Teil sehr schön angezogen. Und zu meinem Erstaunen tragen heute die meisten Schuhe und, wenn es nur gerade Badelatschen sind. Die Kirche füllt sich. Vor 6 Monaten konnte man hier noch Lebensmittel kaufen. Jetzt ist der Shop eine wertvolle, einfache Kirche für die Menschen geworden. Es wird aus der Bibel gelesen, aber es sind nur wenige davon vorhanden. Mit Gitarre, Trommeln und Rassel wird der Gesang begleitet. Der Pfarrer ist so in seinem Element, dass er Bäche schwitzt. Michael, Simon und Justus halten eine Rede über uns. Auch ich darf vor der Gemeinde einige Worte los werden. – Ach wie ich das Liebe! – Die Kirche ist mittlerweile randvoll. Zum Abschluss wird noch für die Kollekte gesammelt. Mit dem Geld soll eine neue Kirche gebaut werden. Einige bringen Mais, Bohnen oder sonstige Lebensmittel mit, da sie kein Geld haben. Nach gut 2 Std. ist der ganze Spuk vorbei. Draussen vor der Kirche wird ein grosser Kreis gebildet. Wir erhalten gute Wünsche, Segen und ein Gebet mit auf den Weg nach Mombasa und in die Schweiz.
Wir sind noch zum Lunch beim Schulverwalter eingeladen. Es gibt wie immer Huhn und zur Abwechslung mal Chapati. Der Priester ist extra nochmals zu Simon gekommen und möchte für uns nochmals beten. Er bittet Gott, dass wir gut und ohne Probleme nach Mombasa gelangen, später einen guten Flug haben und noch vieles mehr. Eine schöne Geste, die wir zu schätzen wissen. Wir müssen nach Hause.
Es ist jetzt 32 Grad geworden. Zu Hause warten schon einige Frauen mit ihren Kleinkindern. Wir beeilen uns und fangen an, die mitgebrachten Kleider auszupacken. In der Zwischenzeit füllt sich der Hof mit Menschen. Alle wollen etwas haben. Michael organisiert die Leute, die in einer Kolonne anstehen, während Thomas, Justus und ich noch am Kleider sortieren sind. Es gibt eine Menge Arbeit. Wir sind gespannt, wie lange es dauert bis die 10 Koffer leer sind. Bis auf 4 Koffer sind wir eingerichtet. Es kann los gehen: Frauen mit Kindern zuerst. Die Kolonne wird immer länger. Zuerst geht es sehr langsam vorwärts. Zum Teil ist es schwierig die richtige Grösse zu finden. Einige sind auch wählerisch. Auch haben wir zu wenig lange Röcke für die Frauen. Die Menschen fangen an zu drängeln. Wir hoffen, dass keiner leer aus geht. Mit der Zeit leert sich der Basar und wir geben die Kleider direkt aus den restlichen Koffern. Auf einmal wird das Gedränge beinahe zur Qual. Ich muss mich bemühen, dass sie mir die Sachen nicht aus den Händen reissen. Wou…. Der Höhepunkt ist erreicht! Jedes Kleidungsstück ist jetzt Gold wert. Die Frauen greifen nach allem, was sie kriegen können. Es kommt mir vor wie auf einem sinkenden Schiff – rette sich wer kann. Nach 3 Stunden harter Arbeit stehen wir mit 10 leeren Koffern da und sind völlig ausgelaugt. Alles ist verschenkt. Ich denke, jeder hat was bekommen. Wir schätzen, dass ca. 150 Personen da waren. Die Menschen sind zum Teil bis zu 10 km weit gelaufen für ein T-Shirt. Bemerkenswert. Sogar die Männer haben sich über Frauenhosen gefreut.
Mit unserem Kleiderbasar haben wir den ganzen Zeitplan auf dem Hof völlig durcheinander gebracht. Es wird schon dunkel und die Kuh muss noch gemolken werden, die Ziegen versorgt und die Frauen müssen kochen. Heute essen wir sehr spät. Um 20:30 Uhr gibt es Ugali, Huhn und Mais mit Bohnen. Ach…ich mag kein Huhn mehr sehen! Dafür freue ich mich aufs Bett. David räumt wie immer alles auf. Er ist immer sehr um uns besorgt. Er macht seine Sache hervorragend. Nun kann auch er endlich sein Abendessen zu sich nehmen. Auch ihm haben wir Kleider geschenkt. Er hat sich riesig gefreut und sich schon zum x-mal bedankt. Wir geniessen den letzten Abend in Emali und hoffen, dass das Wetter morgen gut ist. Zum Abschluss trinken wir noch unsere Medizin - den Tequila.
Montag 9.2.04
Es hat die ganze Nacht zum Teil stark geregnet und es ist windig. Ist ja klar; wir haben fast nicht geschlafen.
Tagwach 7:00 Uhr. Heute Morgen ist es noch kälter. Das Thermometer misst gerade nur 18 Grad. Es regnet immer noch. Die Landschaft ist mit Nebel überzogen und Wolken verhangen. Wir hoffen alle, dass das Wetter besser wird. Wir haben nur noch wenig Gepäck. In den Tagen brauchten wir: 25 l Trinkwasser, je 1 B. Kaffee, Konfitüre und blue band (Margarine), 6 kl. Tetrapak Milch, 5 grosse Pack Toast, 6 Rollen WC-Papier, viel Sucuma, Mais und unzählige Suppenhühner. Von unserer Gastfamilie machen wir noch die letzten Fotos. Winnie, die Schwester von Justus, spricht für uns noch ein Gebet. Nun heisst es, endgültig Abschied nehmen. Mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge, verlassen wir die Sippe.
Da der Boden durch den vielen Regen sehr schlammig und glitschig ist, hoffe ich, dass wir mit unserer Limousine ohne grosse Probleme den steilen Berg heil hinunter kommen. Damit Thomas mit dem Auto nicht hängen bleibt, gehen Justus, Hassan und ich, wie immer in Begleitung, zu Fuss bis zur Strasse nach Emali. Die rote Erde klebt an unseren Schuhsohlen und das Gehen wird zum Teil sehr mühsam. Mit einem kleinen Stecken kratzen wir immer wieder den roten Lehm ab. Thomas manövriert den Toyota mit Hilfe von David zwischen den tiefen Löchern durch, die gefüllt sind mit Wasser. Es ist schon schwierig zu Fuss und mit dem Auto ist es die reinste Rutschpartie. Es regnet immer noch. Nach gut ¾ Std. erreichen wir die Strasse nach Emali. Wir verabschieden uns von den treuen Begleitern und machen uns nun auf den Weg nach Mombasa. Hassan nehmen wir mit.
Thomas fährt nun die erste Etappe. Damit wir unser Auto nicht völlig demolieren, heisst es kurz nach Emali, alle wieder aussteigen. Vor uns befinden sich vier hohe Pumps. Trotz viel Feingefühl, bekommt der Fahrzeugboden wieder einige Kratzer ab. Da es zum Teil stark regnet, muss Thomas sehr langsam fahren. Die Strasse ist schmierig und die Löcher im Teer sieht man kaum. Endlich…den schlimmsten Teil der Strecke haben wir geschafft. Gott sei Dank und es hat aufgehört zu regnen. Die Wolken hängen noch tief in der Landschaft. Nach gut 3 ½ Stunden und nur 180 km brauchen wir nun alle eine Pause und eine Erfrischung. In Mtito Andei machen wir einen Halt. Hier befinden wir uns immer noch auf 750 m ü Meer und das Thermometer zeigt 28 Grad.
Nach der wohlverdienten Pause geht es weiter heimwärts. Ich setze mich jetzt ans Steuer. Nun folgen gute Strassenverhältnisse. Nur die letzten 60 km sind wieder Loch an Loch. Auf der Fahrt durch den Nationalpark Zawo West und Ost weiden entlang des Highways Elefanten und Zebras. Grosse Affenfamilien überqueren immer wieder die Strasse. Das schnelle Fahren ist also mit Vorsicht zu geniessen. Hier muss ich nicht auf die Löcher achten, sondern auf die wilden Tiere. Am Strassenrand erblicken wir Vögel in den schönsten Farben. Auf dem Kühler und der Windschutzscheibe kleben einige Schmetterlinge. Je näher wir zur Küste kommen, wird das Wetter besser. Das Atmen ist nicht mehr so rein und klar, da auch die Luftfeuchtigkeit stetig steigt.
Hurra…. Nach 3 ¼ Stunden erreichen wir um 17:15 Uhr Mombasa. Abgesehen von einem total verschmutzten Auto, zerkratztem Unterboden und einem demolierten Stossdämpfer, sind wir alle froh, dass wir unseren „Emali-Trip“ ohne Schaden heil überstanden haben.
Trotz den Strapazen hat sich die abenteuerliche Reise gelohnt. Wir konnten und durften vielen Menschen helfen und haben sie sehr, sehr glücklich gemacht. Ganz Emali freut sich jetzt schon auf unseren nächsten Besuch im Februar 2005. Auch wir freuen uns darauf. Wir geniessen die letzten Tage in Mombasa und lassen uns von meiner Mutter verwöhnen. Vorallem schlafen ist angesagt.
Asante sana khwaheri.
(Vielen Dank auf Wiedersehen)
Samosa = Teigtaschen gefüllt mit Gemüse oder Fleisch
Chapati = eine Mischung zwischen Ommletten und indischem Fladenbrot
Chaitee = Schwarztee mit Zucker und Milch gekocht
Danhia = stark riechender, eher scharfer, Koriander
Im Namen der 520 Schulkinder möchten wir Ihnen für die Spende danken.

