2009 - Krieg hinterliess tiefe Spuren im Land
Nach Wahlfälschung das Elend, Dürre und Hungersnot
Nach zwei langen Jahren können wir endlich wieder nach Emali reisen. In dieser Zeit ist einiges im Land schief gelaufen. Die Präsidentenwahl vom 27.12.2007 wurde mit Korruption und Wahlfälschung überschattet. Verschiedene Stämme wurden von der Melize und oder von der Polizei vertrieben. Auch die Opposition fuhr mit schweren Mitteln auf. Über 850`000 Menschen waren auf der Flucht in Richtung Uganda. In der Hochburg der Kikuius brannte man Häuser, Schulen ja sogar Maisfelder nieder. Eldoret wurde dem Erdboden gleich gemacht. Überall in den Flüchtlingslagern waren vor allem die Humanitären Hilfsmittel Mangelware. Über 2000 Menschen wurden getötet. Plünderungen waren an der Tagesordnung. Kenya stand beinahe vor einem Bürgerkrieg.
Kibaki und Odinga konnten sich nach zwei monatigen Verhandlungen mit Kofi Annan einigermassen einigen. Leider macht heute noch immer die Linke Mist und die Rechte bleibt korrupt.
Jetzt steht Kenya auch noch vor der Hungersnot. Weit über 1 Million Menschen müssen täglich leiden. Das Land erlebt eine ihrer schlimmsten Dürre. Zwei Regenzeiten blieben aus. Die Lebensmittelvorräte wie z.B. der Mais wird für teures Geld ins Ausland verkauft. Wichtige Grundnahrungsmittel wie Cima (Maismehl) oder Kimbo (pflanzliches Fett) wurden rationiert.
3 Wochen vor unserer Abreise stellen wir unser Programm total auf den Kopf. Nach vielen Telefonaten, einigen SMS und vielen Berechnungen, organisieren wir für über 400 Familien Lebensmittel. Wir wollen Mais, Bohnen, Kimbo, Salz, Zucker und Tee verteilen. Bei dieser wahnsinnigen und schnellen Aktion ist vor allem Justus gefordert. Er eilt in Mombasa von Shop zu Shop und sucht die Lebensmittel wie Salz, Kimbo und Tee zusammen. Er muss die Preise vergleichen, handeln und einkaufen. In Emali organisieren Simon und Cosmos in unserem Auftrag Mais, Bohnen und Zucker. Wir sind gespannt ob wir bis zu unserer Ankunft alles haben und auch bekommen.
Sonntag 1.2.2009
Unser langersehnter Abflug verzögert sich um mehr als eine Stunde. Ein Passagier fehlt noch und das Flugzeug muss enteist werden. Endlich ist es soweit. Unser Abenteuer kann beginnen.
Der Nachtflug war ruhig und soweit angenehm. Wir erreichen Mombasa in den frühen Morgenstunden. Da der Kapitän die Verspätung nicht aufholen konnte ist nun am Zoll sehr viel Geduld angebracht. Vor uns sind zwei andere Maschinen gelandet. Dadurch ist die Ankunftshalle mit Feriengästen mehr als voll. Zur Beruhigung von Mam schicke ich schon mal ein SMS als Info. Nach gut 1 ½ Stunden haben wir es mindestens bis zur Gepäckausgabe geschafft. In der Halle ist es schwülwarm und leicht stickig. Die Suche beginnt. Am schnellsten haben wir die Rollstühle. Doch die anderen 6 Koffer drehen beinahe unbemerkt noch 2 Runden. Ist ja auch kein Wunder. Bei so vielen Gepäckstücken sein eigenes zu finden glänzt schon beinahe an ein Marathonlauf.
Vor dem Gebäude warten Mam und Justus geduldig auf uns. Mit soviel Gepäck an 170 kg im Schlepptau braucht es auch dieses Jahr wieder einen Matatu. Mombasa zeigt sich im üblichen Bild. Regen, viel Verkehr und Schmutz. Endlich kommen wir in Chania an. Im Haus stehen überall Berge von Schachteln. Sogar auf dem kleinen Balkon.
Justus und Mam haben ganze Arbeit geleistet. Alle bestellten Lebensmittel sind vorhanden und warten mit 16 anderen Koffern auf die weiter Reise. Die Wolken haben sich verzogen. Es ist heiss geworden. Nach dem zweiten Frühstück brauchen wir nun etwas schlaf. Auf uns wartet noch einige Arbeit. Geldwechsel, die erste Buchhaltung und Organisation zur Abreise erfordert doch etwas Aufmerksamkeit.
Dienstag 2.2.2009
Puh; das Ausschlafen hat so gut getan. Wie immer machen wir einen Grosseinkauf für Emali. Unsere Vorbereitungen für den morgigen Tag laufen auf Hochtouren. Justus muss auf dem Schwarzmarkt nochmals Geld wechseln. Er bringt es gleich direkt zur Bank. Wir entscheiden uns nur so viel Bargeld auf uns zu tragen, dass wir in den ersten Tagen über die Runden kommen und die bestellten Lebensmitteln bei Simon und Cosmos bezahlen können. Da in Emali neu eine Bank ist, können wir das nötige Geld dort ohne Problem abheben. Wir hoffen, dass das dann auch wirklich klappt. Für uns ist es beruhigender, sicherer und ein grosser Vorteil mit weniger Geld um den Bauch zu Reisen. So, alles ist gepackt, organisiert und abreise fertig. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass der Bus aus Emali auch unbeschadet morgen früh zurzeit hier ist.
Mittwoch 3.2.2009
Ausser Justus haben wir alle gut geschlafen. Er war die halbe Nacht auf 190 und hat immer Kontakt zum Bus gehabt. Wir erfahren am Morgen, dass er bereits um 23 Uhr in Mtito Andei war und bereits um 3 Uhr Nachts im Shanzu ankam. Super, so hatte unser Chauffeur auch noch Gelegenheit gehabt sich etwas auszuruhen. Es ist 5.30 Uhr und Zeit aufzustehen. Guter, starker Kaffee weckt noch unser müder Geist. Nun wird geschleppt. Alle Koffer, die Schachteln mit den Lebensmitteln und die Teesäcke stellen wir vor das Haus und machen alles bereit zum Laden
Der Bus fährt gegen 6.30 Uhr vor. Weil im Shanzu kein Wasser vorhanden war, wird der Bus nun hier gewaschen. Mam hat keine Freude daran. In der Zeit richte ich noch für alle Sandwichs her, denn eine Zwischenverpflegung schadet ja nie.
Der Bus ist neu und die Sitzprobe OK. Letztes Mal konnte man im Bus direkt auf den Asphalt sehen. Er war beinahe durchgerostet. Nach einem Augenschein koordiniere und organisiere ich das verladen der riesigen Bagage. Alles muss rein, alles muss mit und siehe da, alles passt rein. In Begleitung von 6 Jungs aus Emali, uns alle bestens vertraut, und Alex unser Chauffeur, fahren wir gegen 8.30 Uhr von Chania weg. Wir haben uns entschieden, dass wir ohne Polizeischutz fahren. Falls wir wirklich in eine falsche Polizeikontrolle geraten sollten, dann nützt uns der Polizeischutz wahrscheinlich wenig. Er ist zu teuer und wenn es drauf an kommt, rennen die sicher als erste weg. Ist ja alles schon vorgekommen.
In Mombasa herrscht ein völliges Verkehrschaos. Wir brauchen sicher eine gute Stunde mehr. An der üblichen Tankstelle wird der Bus noch aufgetankt. Auch dass dauert so seine Zeit. Endlich, es geht los. Da staunen wir aber, denn wir fahren 15 Km auf einem neuen Strassenabschnitt. Wie bei uns auf der Autobahn. Ja nicht ganz, aber einiges besser als all die Jahre zuvor. So richtig komfortabel. Aus der Zeitung erfahren wir, dass es seit 3 Tagen in Nairobi und Mombasa an gewissen Tankstellen kein Benzin oder Diesel mehr gibt und dass die Vorräte eventuell nur noch für 10 Tage reichen. Das beunruhigt mich gar nicht. Vieles was geschrieben steht kommt am Ende ganz anders. Früh am Morgen ist ein Lastwagen umgekippt und blockiert den Highway.
Alex kann zum guten Glück ohne Probleme auf der Naturstrasse ausweichen und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Nach gut 5 Stunden machen wir unseren ersten obligaten Halt und ich kann endlich aufs Klo. Vor der Weiterfahrt nach Emali verteile ich die letzten begehrten Eingeklemmten. Im Bus zeigt das Thermometer nun 35° an.
So gegen 15 Uhr kommen wir in Emali an. Da uns niemand sehen sollte, steigen wir Anfangs Stadt aus wo uns Cosmos mit seinem Auto abholt. Uns kommt ein trockener Wind entgegen. Es ist heiss. Zusammen fahren wir auf die andere Seite der Stadt zum Shop. Hier warten Mais, Bohnen und Zucker auf uns. Die Bestellten Lebensmittel kontrollieren wir genau. Vor allem die Qualität ist uns wichtig. Die Menge stimmt ebenfalls. Jetzt werde ich einen grossen Teil des Geldes schon mal los. Aus Sicherheitsgründen steckt sich Cosmos das ganze Geld in die Socken. Er liefert uns Freitag oder eventuell am Samstag alles in die Schulen.
Mit dem Auto geht’s weiter zum Markt wo wir Gemüse und die nötigen Zutaten für das erste Abendessen noch einkaufen müssen. Mit dem Bus fahren wir anschliessend zu Simon. Bei ihm können wir bis zur Verteilung Kimbo, Salz und Tee lagern. Auch bei ihm kann ich gleich meine restlichen Schulden begleichen. Unsere Jungs packen kräftig an und im Nu ist alles ausgeladen. Im Store ist alles fein säuberlich gestapelt. Mit dem Bus geht’s auf die letzte holperige Etappe. Nikodemas hat mit einigen Jungs aus dem Dorf einen Kilometer Weg mit viel Schweiss ausgebessert. Alle Rinnen, Löcher und Gräber sind jetzt zu. In Zukunft können wir bis auf den Hof der Familie Kassimu fahren und müssen die vielen mitgebrachten Sachen nicht mehr so weit tragen. Das grenzt hier beinahe schon an Luxus? Der Bus schaukelt hin und her als hätten wir starken Seegang. Bei uns in der Schweiz wäre das ein Ding der Unmöglichkeit. Kein Busfahrer oder Chauffeur würde jemals auf einem solchen Weg fahren. Aber hier in Afrika ist vieles möglich. Wir staunen.
Eunice und Caro begrüssen uns mit überschwänglicher Freude. Ein tolles Gefühl so willkommen zu sein. Endlich sind wir in unserer zweiten Heimat angekommen. Es war ein langer strenger Tag. Die Nacht bricht herein und das Thermometer zeigt nur noch 25° an. Vom Tal her bläst ein frischer Wind. Es ist kalt geworden. Wir sind hungrig und geniessen das gute Abendessen dass uns Eunice gekocht hat. Wir besprechen mit Justus den morgigen Tagesablauf. Nach dem Tequilla wird es Zeit schlafen zu gehen. Wir sind alle müde.



