2010 - Was erwartet uns dieses Jahr ?
Das erste Jahr seit langem, wo sich unsere Vorbereitungen stark in Grenzen halten. Auch die Telefonate sind im üblichen Rahmen. Da wir ja auch dieses Jahr nicht so richtig wissen was auf uns zu kommt, ist es eigentlich ein komisches Gefühl, so quasi fast unvorbereitet nach Emali zu reisen.
Ganz mit leeren Händen gehen wir sicher nicht. Aus dem Internet habe ich die neusten Infos über den Organic Farmer, eine Bauerzeitschrift, heruntergeladen. Auch diverse Infos über Anbaumöglichkeiten wie Sorghum sind mit im Gepäck. Und natürlich wie immer viele Ideen was abzuklären und oder zu kontrollieren ist.
Bald ist auch der Keller leer. Gepackt sind nur noch je eine Schachtel mit Bleistiften und Fussbällen. Diese müssen aber noch ein Jahr warten. Wenn es ja klappt, nimmt Thomas ein Teil im Oktober wieder mit nach Mombasa. Ein Koffer gefüllt mit Kleidern, Bett- & Frottewäsche und ein Koffer mit Schuhen, diversen Unterlagen und unsere persönlichen kleinen Reiseutensilien sind fertig gepackt.
Wir reisen am schmutzigen Donnerstag, 11.2. endlich wieder nach Kenya. Früh morgens um 6.30 h fährt uns Jaqcueline durch die dicht verschneiten Strassen zum Bahnhof. Das Thermometer zeigt Minus 8 Grad an bei heftigem Schneefall. Wenn das in den kommenden Tagen so weiter schneit, dann versinkt auch die Schweiz endgültig unter dieser weissen Pracht. Im Radio höre ich gerade noch, dass in Washington, USA, über 1.40 m gemessen wurde. Der richtige Moment ist gekommen um der Kälte zu entfliehen. Zum Abschied lauschen wir den Klängen einer Guggenmusik. Um 7.15 h fährt der Zug in Richtung Zürich Flughafen. Wir sind gespannt wie sich der Airport präsentiert. Wir rechnen jetzt schon mit Verspätung. Na ja, wir haben ja Ferien und genügend Zeit zum warten.
Das einchecken geht flot. Tja auch kein Wunder, denn wir haben ja nur 2 Koffer mit total 67 kg. Unser Weg führt uns auch dieses Jahr gleich direkt zum Zollfrei Einkauf. Aber müssen wir wirklich so herumtrödeln? Na ja, die letzten werden die ersten sein. Aber für eine Zigarette reicht die Zeit vor dem Einsteigen nicht mehr. Nach dem enteisen der Maschine fliegen wir mit nur ¾ Std. Verspätung ab. Vor uns liegen 6485 km Flug. Der Airbus A 330-200 ist nicht ganz belegt. Unsere Plätze 14 K & J in der Business verfügen über sehr viel Beinfreiheit. Nicht mal Thomas mit seinen langen Beinen stösst am Vordersitz an. Wir positionieren unsere Sitze. Wou, so richtig feudal, bequem, einfach Genial. Während wir den Apero geniessen und die Formulare wie Einreise, Visum und Gesundheitszustand ausfüllen, haben wir die Flughöhe schon bald erreicht. Reinhard May würde jetzt singen; über den Wolken……….
Der Flug ist angenehm ruhig und das Essen sehr gut. Draussen ist es Nacht geworden. Bis zum Ziel dauert es noch gut 2 Stunden.
Mombasa ist leicht bewölkt bei 28 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. So schnell und ohne grosse Fragerei sind wir schon lange nicht mehr durch den Zoll gekommen. Cool, es regnet mal nicht. Dass ist ja ganz neu. Mam und Justus empfangen uns herzlich. Da wir nachts angekommen sind, gibt es kaum Verkehr auf den Strassen und wir sind in gut 25 Minuten zu Hause im Chania. Das nötigste wie Käse. Swissbred und Schokolade packe ich gleich aus. Mam hat extra Platz im Kühlschrank frei gehalten. Auf dem Balkon geniessen wir ein Tusker (kenyanisches Bier) und quatschen noch gut 1 Stunde. Nun ist es aber Zeit zum Schlafen.
Freitag 12.2.2010
Als letzte erwache ich aus dem wohlverdienten Schlaf. Es ist warm. Das Thermometer zeigt um 9.00 Uhr bereits 30 Grad im Schatten an. Nach dem Frühstück starten wir mit den ersten Vorbereitungen. Der Rest vom Gepäck packen wir aus und sortieren die mitgebrachten Kleider neu. da wir dieses Jahr keinen Bus gemietet haben, muss ich mit Justus die Einkaufsliste mit den Lebensmitteln für Emali neu schreiben. Wir sind nun soweit und fahren mit dem Taxi zum Einkauf nach Nyali. Hier im Nakumat bekommen wir so ziemlich alles. Ich nutzte die Gelegenheit und bestelle beim Optiker gleich auch noch neue Brillengläser. Er freut sich auf unseren Besuch und erkennt sofort die mitgebrachte Brille wieder. Die habe ich bei ihm vor einem Jahr gekauft. Muss schon sagen um einiges billiger als bei uns in der Schweiz. Da sieht man wieder, wie viel unsere Optiker daran verdienen.
Es ist schon spät am Nachmittag. Ich packe den ersten Koffer mit Kleidern die ich dann in Emali den Leuten verschenke und 2 Schachtel mit den eingekauften Lebensmitteln. Justus schicken wir derweilen noch Geld wechseln.
Der heutige Tag war angenehm und wir haben uns schon gut anklimatisiert. Zum Abendessen gibt es feine Salate und Grillfleisch. Mit einem Skipospiel, viel bla bla mingi und Gemütlichkeit klingt der erste Tag aus.Die heisse Temperatur von 35 Grad macht das Schlafen beinahe unmöglich. Still schwitzte ich vor mich hin. So heiss habe ich selten eine Nacht erlebt. Irgendwann fängt es an zu regnen. Es kühlt wenige Grade ab und endlich kann ich schlafen.
Samstag 13.2.2010
Vor vier Tagen hat Justus telefonisch unsere Bustickets reserviert. Da wir Morgen nach Emali reisen, fahre ich mit ihm nach Mombasa um die Tickets zu kaufen. In einem Shop kaufe ich noch zwei Moskitonetze für seine Schwester Winnie. In MBS herrscht nach wie vor ein Verkehrschaos. Es erstaunt mich immer wieder, dass bei so viel Durcheinander und Gedränge nicht mehr passiert. Heute habe ich Strassen und Gassen neu entdeckt. Nach gut 2 Stunden sind wir leicht verschwitzt und etwas schmutzig vom Einkaufstrip wieder zurück. Justus ist müde, er legt sich schlafen. Ich nutzte die Gelegenheit der allgemeinen Ruhe und studiere unsere neue Digitalkamera. Thomas macht sich auf zur Beach und checkt, ob das Wasser schon da ist.
Hurra, das Wasser kommt. Wir ziehen uns alle die Badehosen an und hoffen auf eine Abkühlung. Das Meer sieht etwas dunkelgrün aus. Kein gutes Zeichen. Unsere Freude wird auch schnell getrübt. Kaum bin ich so richtig nass, brennt es mich am rechten Unterarm. Autsch; eine Qualle hat mich voll erwischt. Der blaue Tentakel klebt auf der Haut. Schnell wasche ich ihn ab und lege gleich nassen Sand auf die geplagte Stelle. Das beruhigt am schnellsten und hinterlässt bei von den kleinen Portugiesen keine Spuren. Wir ziehen uns aus der Gefahrenzone zurück. Wir spazieren zur Publicbeach und geben den Quallenopfern den Tipp mit dem Sand weiter. Schade, aber heute wird nichts mehr mit baden. Der zu warme und dunkelgrüne Pool schwemmt immer wieder viele kleine Quallen ans Land.
Bevor Justus noch an ein Meeting geht, packen wir alle noch unsere restlichen Sachen für Emali und besprechen unsere morgige Abreise. Hassan kommt uns besuchen. Er isst mit uns zu Abend. Er lehrt mich noch wichtige Sätze in Kisuhaeli und Kikamba. Die Nacht fühlt sich nicht mehr so heiss an und wir gehen alle schlafen. Morgen ist bereits um 6.30 Uhr Tagwach.
Sonntag 14.2.2010
Mit vielen Gedanken in der Nacht erwache ich am Morgen. Wenigstens war es nicht mehr so heiss. Mam hat uns noch Mailänderli und wie üblich 3 Cakes gebacken. Sie haben in den Schachteln auch noch Platz. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Taxi zur Busstation. Da ein emsiges Treiben auf den Strassen herrscht, fahren wir über das Nyaliviertel.
Im klimatisierten Raum warten schon die Passagiere auf den Bus. Der Himmel ist leicht bewölkt und dadurch ist die Temperatur mit 30 Grad angenehm. Der Bus kommt und die Fahrgäste werden zum einsteigen aufgefordert. Alle werden genau kontrolliert und fotografiert. Falls etwas passieren sollte, haben sie von jedem Fahrgast ein Foto. Das ist neu. Im Bus sitzen wir in der Mitte auf der linken Seite. Bei einem Unfall haben wir mit diesen Plätzen die Besten Überlebenschancen. Mit 5 Minuten Verspätung geht die lange Fahrt los. Jeder erhält noch ein kleines Mineralwasser. Dieser Service bieten nur die guten komfortablen Busse an.
So gegen 12 Uhr erreichen wir Mtito Andei. Hier wird immer einen Pause gemacht. Endlich können wir auf die Toilette. Im Restaurant geniessen wir wie immer Samosa und ein gekühltes Getränk. Nach 20 Minuten geht die Fahrt weiter nach Emali. Der Himmel zeigt sich auch hier bewölkt. Zum Reisen angenehm. Ab hier verändert sich die Landschaft merklich. Die Gegend wird hügeliger und in der Ferne sind die ersten Bergketten sichtbar. Die Wolken lockern sich etwas auf. Um halb drei kommen wir in Emali an. Bereits warten die Jungs der Familie Kassimu auf uns. Wir werden mit Freude und Herzlichkeit empfangen. Sie achten aufs Gepäck in der Zeit wo wir im kleinen Supermarkt die restlichen Lebensmittel einkaufen. David ist natürlich auch mit dabei. Von nun an, haben wir einen Buddyguard. Auf dem Markt kaufen wir noch frisches Gemüse, Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln und Knoblauch. Es dauert noch eine Weile bis Simon mit dem Pick-up da ist. Die Jungs laden alles auf und vor uns liegen nur noch 6 km bis nach Hause.
Auch hier ist der Empfang sehr herzlich. Alle sind mit einem strahlen da um uns zu begrüssen. Auf dem Hof herrscht ein fröhliches Lachen. Auch Mama Kassimu zeigt Freude und begrüsst uns auf Kikamba und hält uns mit beiden Händen ganz fest. Eunice eilt herbei und nimmt mich gleich in die Arme. Vor lauter Freude erdrückt sie mich beinahe. So ist es immer wenn wir kommen. Es gibt uns ein schönes Gefühl so willkommen und endlich wieder zu Hause zu sein. Wie üblich bläst gegen den Abend der Wind vom Tal her. Tisch und Stühle stehen im nu draussen und Caro bringt heisses Wasser. Wir geniessen zuerst mal Kaffee, Tee und ein Stück Cakes.
Bevor die Sonne untergeht packen wir alle Lebensmittel aus und richten das Bett her. Frisch geduscht warten wir hungrig auf das Abendessen. Es gibt Kabis, Reis und viel Sauce. Die Hühner verkriechen sich auch langsam in die Ställe. Von den Hunden werden wir auf Distanz beschnuppert. Nur der kleine drei Monate junge Hund stolpert uns um die Beine herum. So gegen halb sieben fängt es an einzudunkeln. Heute war ja Valentinstag. Hier interessiert sich keiner dafür, sie haben andere Sorgen. Es hat abgekühlt. Wir sitzen immer noch draussen vor dem Haus. Mit nur 25 Grad vertrage ich mein Flanellhemd. Wir sprechen noch lange mit Justus, dann gehen wir schlafen.
Montag 15.2.2010
Früh morgens ist es windstill. Wir haben gut geschlafen. Wir starten den Tag gemütlich. Wir haben es ja nicht so eilig. Die Uhr zeigt bald halb 10. Wir machen uns auf den Weg zur Kwakakulu Schule. Unsere Ankunft wird von Winfried, das ist die Stellvertreterin des neuen Schulleiters, fast gefeiert. Auch sie zeigt riesige Freude und bedankt sich jetzt schon für unser kommen. Gemeinsam gehen wir ins Office zum neuen Headteacher Patricie Mvanae. Er ist erst seit 3 Wochen hier tätig. Der letzte Schulleiter war nicht so gut. Wir sind nun gespannt, ob er auch so aktiv ist wie Bernhard es war. Im Moment sind sie von den 16 Primarschulen hier im Distrikt auf Platz 4. Patricie und alle anderen wollen es auf den ersten Platz schaffen. Es folgen die üblichen Begrüssungsfloskeln und Danksagungen bevor wir mit unserem Rundgang starten können. Vor allem Winfried bedankt sich herzlich im Namen aller für die vielen geschenkten Lebensmittel vom letzten Jahr.
Wir machen jetzt den Kontrollgang und checken gleich, ob es irgendwo was zu tun gibt. In den Klassen 1 bis 6 und im Kindergarten gibt es Risse in den Wänden und Löcher in den Böden zu reparieren. Auch einige Dachbalken wollen wir ersetzten, da sie von den Holzwürmern zum Teil schon recht angeknabbert sind. In meinem kleinen Büchlein notiere ich peinlich genau was zu reparieren ist. So habe ich es bei der Schlusskontrolle viel einfacher. Unser Rundgang beenden wir und vereinbaren für Morgen 9 Uhr ein Treffen mit dem Fundi. So gegen 11 Uhr verlassen wir die Kwakakulu und marschieren zur Kwakaleli Schule.
Der Schulleiter Joel freut sich riesig und flippt dabei beinahe aus. Er bedankt sich nochmals ganz herzlich für die geleistete Hilfe und die Verteilung der Lebensmittel vom letzten Jahr. Mit seiner Art ist er schon ein spezieller Mann. Wenn er nicht gerade an Malaria erkrankt hat er sonst gesundheitliche Probleme. Jetzt sind es seine Augen. Er zeigt uns seine Augentropfen und seine neue Brille die er so oft wie möglich tragen muss.
Wir kontrollieren gemeinsam die zwei Schulzimmer die wir ja vor einem Jahr innen sanierten. Thomas und ich beschliessen, dass wir nun das ganze Gebäude auch aussen sanieren möchten. Wir besprechen unser Vorgehen. Joel macht einen Luftsprung und organisiert im Nu einen Fundi. Auch Justus greift zum Mobile und ruft in Emali Thomas an. Er wird für uns sicher wieder Fenster und Eisentüren machen.
Wou, das geht ja fix. Es dauert keine 20 Minuten und beide Fundis stehen mit Zettel und Maasband da. Fundi Thomas freut sich, dass er endlich wieder mal für uns arbeiten darf. Er hat sich ein Motorradtaxi genommen, damit er schnell da ist. Beide machen sich gleich an die Arbeit. Es wird gemessen, gerechnet und eine Materialliste erstellt. Das Thermometer zeigt im Schatten 32 Grad an und da hier in Emali die Luftfeuchtigkeit eher gering ist, ist es auch mit hohen Temperaturen sehr angenehm. Die beiden Fundis arbeiten schnell. Im Nu habe ich von ihnen eine Offerte. Mit jedem bespreche ich natürlich den Auftrag einzeln. Bei Thomas bestelle ich 15 Fenster und 3 Eisentüren. Er gibt mit den Transport gratis als Discount. Er startet gleich Morgen in der Früh und hofft, dass er am Freitag fertig ist. Der andere Fundi handle ich 2200 Khs runter. Er kann erst mit der Arbeit beginnen, wenn das ganze Baumaterial da ist. Justus und David leisten super Arbeit. Sie organisieren zusammen fast das ganze Material für die Baustelle. Wir freuen uns alle jetzt schon auf das fertige Gebäude. Endlich sieht es dann besser aus. Für dieses Mal haben wir wieder einmal eine Grossbaustelle. Wir machen uns auf den Heimweg. Es ist heiss geworden und die Luft fühlt sich dick an. Kein Wunder, es ist ja auch 45 Grad und dass ohne Wind.
So gegen 17 Uhr sind wir zu Hause. Sofort erhalten wir Teewasser und Thomas verteilt jedem ein Stück Cake. Mhh, das tut gut. Ist ja auch verständlich, denn für heute sind wir 24 km weit gelaufen.
Irgendwann kommt Fundi Thomas vorbei. Ich bezahle ihm das Material damit er dann auch los legen kann. So viel Geld zu übergeben macht immer Sinn, wenn man das im Geheimen erledigt. Er steckt das viele Geld auch gleich in die Socken. Er ist sehr korrekt und hält sich immer an die Abmachungen. Er ist sehr verlässlich.
Mit Justus schauen wir noch den Bau von unserem gemeinsamen Haus an. Ups, das wird ja richtig gross. Mit Stolz zeigt er uns auch die kleinen Pflanzen die er gesetzt hat. Die Lichtverhältnisse sind zum Fotografieren nicht mehr optimal. Das werde ich aber noch nach holen.
Heute kocht uns Eunice wieder Kabis, Kartoffeln und Reis. Nach dem Essen rechnen wir aus, was uns die Grossbaustelle kostet. So gegen 21 Uhr erfahren wir, dass der Transport und Einkauf der Backsteine und Sand für Morgen früh klappt. Das ganze Baumaterial wird jeweils mit einem Traktor und Anhänger gebracht. Da aber der Benzinpreis auch gestiegen ist, müssen wir unsere Berechnungen ändern. Ich richte gleich noch das Geld, damit Justus Morgen um 7 Uhr das erste Baumaterial bezahlen kann. Langsam wird es Zeit für unsere Medizin, den altbewährten Tequilla und für das Bett – Komanesa. (gute Nacht).
Dienstag 16.2.2010
Wenn mich der „creasy“ Esel in der Nacht mit seinen Lauten nicht ständig geweckt hätte, dann wäre ich jetzt purlimunter. Der gestrige Tag spürt heute keiner mehr von uns in den Knochen. Das einfache Frühstück besteht auch heute wie alle kommenden Tage aus Kaffee, Tee und weichem Toastbrot. Mit kleiner Verspätung kommen wir in der Kwakakulu Schule an. Der Fundi wartet bereits auf uns. Zusammen schauen wir uns nochmals die 3 Schulgebäude von innen und aussen an. Zusätzlich inspizieren wir noch die Schulküche. Die Frauen kochen gerade Porige für den Kindergarten. Nach dem Check gehen wir zurück ins Office. Patricie ist sehr an unserem Land interessiert. Wir tauschen uns gegenseitig aus. In der Zeit rechnet der Fundi das benötigte Material aus.
Wir kontrollieren die Liste. Es fehlen noch Nägel für das Dach und das Holz, sowie Wasser zum Zementieren. Wir verabschieden uns in der Schule und gehen nach Hause um Geld für den Einkauf zu holen. Der Fundi kommt für den Einkauf mit nach Emali Stadt. Auf dem Weg handle ich den Preis für die Arbeit 4000 Khs (rund 57.-) runter. Es ist kurz vor Mittag. Im Schatten messe ich 33° und an der Sonne 43°. Wir machen uns nun zu Fuss auf den Weg in die Stadt. Die Sonne brennt heiss auf uns nieder. Ein Stück vor der Stadt nimmt uns ein Mann mit seinem Traktor mit. Im Sandgefüllten Anhänger geht es die restlichen 2.5 Km holprig weiter. So sparen wir etwas Zeit. In der Stadt machen wir uns gleich auf die Suche nach Holz. In einem Shop werden wir bald fündig. Hier bei Unkonzo`s können wir auch gleich das gesamte benötigte Material einkaufen. In der Zwischenzeit organisiert David einen Transport. Mit Justus eilen wir noch zur Bank. Mein Geldbeutel ist leer.
Seit einem Jahr gibt es in Emali eine Bank. Für uns ist das natürlich sehr gut. So müssen wir nicht mehr das ganze Geld auf uns tragen. Mit dem vollen Geldbeutel und dem geladenen Pick-up fahren wir zur Kwakakulu Schule. Hier angekommen eilen sofort einige Schüler her um das ganze Material abzuladen.
Alles wird in den Store gebracht. Unser Fundi kann nun Morgen mit der Arbeit starten. Winfried zeige und erkläre ich, wie die mitgebrachten Puzzle und ein Memoryspiel zu hand haben sind. Sie schaut aufmerksam zu und hilft beim zusammen setzen. Winfried, Patricie und einige Lehrer freuen sich riesig darüber. Solche Spiele kennen sie hier nicht.
Es ist schon später Nachmittag. In Begleitung vom Fundi gehen wir nach Hause und trinken gemeinsam Tee. Da wir heute wenige Kilometer mitfahren konnten, zeigt mein Schrittzähler nur gerade 20 km an. Da ich auch hier nicht still sitzen kann, wasche ich noch einige T-Shirts. Der Sohn von Eunice ist beim Spielen gestürzt und hat sich im Gesicht und am Kopf tiefe Wunden zugezogen. Bei uns würde man ein Kind mit solchen Verletzungen in den Notfall bringen. Nun kommt unsere gut ausgestattete Medibox zum Einsatz. Da hier die Menschen eine ganz andere Haut haben, hält kein Pflaster. Es geht aber gut auch ohne. Mit meinem Kisuhaeli Wörterbuch und der Hilfe von Anton, schreibe ich alle Boxen an, die ich letztes Jahr mit Besteck gefüllt habe.
Heute geniesse ich meine „Kübelidusche“ doppelt. Ich kann endlich auch mal meine Haare waschen. Da der Wind vom Tal her bläst sind mittlerweile auch unsere T-Shirts trocken geworden. Justus ist nochmals weg gegangen um wieder einige Ladungen mit dem Traktor zu zahlen. Wir bringen noch unsere Private- sowie die Schulbuchhaltung in Ordnung. Zum Abendessen gibt es ein weich gekochtes Gugu, Cima und Sukuma. Bald gehen wir la la. Im Haus ist es mit 27° angenehm zu schlafen. Bis am Morgen kühlt es nochmals ab.
Da die Hündin läufig ist, gibt es zwischen den Hunden immer wieder laute Machtkämpfe. So kann man nicht schlafen!
Mittwoch 17.2.2010
Sepp hat heute Geburtstag. Er wird 50 Jahre jung. Per SMS gratulieren wir noch vor dem Frühstück. Auch Vibi bekommt Post von uns. Er wird Morgen an der Niere operiert. Für Heute steht auch noch die Nduundune Schule mit einem Kontrollgang auf dem Programm. Dieses Jahr haben wir wieder ein Mal Zeit dazu. So gegen 10 Uhr erreichen wir die Schule. Der neue Schulleiter Frederik M.Mbevi empfängt uns herzlich in seinem Büro. Er weiss wer wir sind und was wir hier schon alles gemacht haben. Gemeinsam gehen wir auf den Rundgang. Mit einem breiten Lachen empfangen uns die Schüler. Unsere Namen sind in ihren Köpfen verankert. Die Schule sieht immer noch so aus wie wir sie vor drei Jahren verlassen haben. Alle Dächer sind in gutem Zustand, Fenster und Türen funktionieren und die Wassertanks ebenfalls. Leider sind sie leer. Nur die Schaukel beim Kindergarten ist entzwei. Der schöne grosse Baum war krank und beim fällen ist er dummerweise auf die falsche Seite gekippt. Das ist ein Fall für Fundi Thomas. Frederik erzählt von der Hungersnot. Landesweit konnten die meisten Schüler nicht mehr zur Schule, weil sie unterernährt und entkräftet waren, und sie zu Hause um Wasser zu suchen gebraucht wurden. Letztes Jahr habe dann endlich ein Schulminister Mais, Bohnen und Porige an alle Schulen verteilen lassen. Jetzt habe sich die Situation wieder etwas gebessert und der Schulbetrieb läuft wieder normal.
Um 11 Uhr verlassen wir die Nduundune Schule und marschieren zur Kwakaleli. Unterwegs kommen wir im Shop von Simon vorbei. Wir bezahlen gleich noch 35 Säcke Zement und den Transport in die Kwakaleli Schule. Nach ¾ Stunden Fussmarsch kommen wir in der Schule an. Sand, Backsteine und Concrete (kleinere Steine) sind bereits seit gestern hier. Das restliche Material wie Wasser, Zement und Murram (Kieselsteine) fehlen noch. Unser Fundi hier vor Ort wäre mit seinen Kumpeln bereit zum Arbeiten. Weil er vergessen hat das Holz zu messen, muss er nochmals kommen. Das Holz kommt mit den Nägeln auch noch auf die Einkaufsliste. Heute sollte noch 4000 Liter Wasser mit einem Tank gebracht werden.
Puh; es ist so heiss, der Schweiss läuft uns nur so runter. Wir gehen von hier direkt zur Kwakakulu Schule. Und das bei der Hitze. Jetzt ist es halb eins und im Schatten 34°. Da unser zu Hause auf dem Weg liegt, machen wir zur Stärkung einen kurzen Stopp. Essen Mangos und trinken Wasser, dann geht’s weiter. Unterwegs begrüssen uns einige Nachbars Frauen herzlich. Sie sind extra von den Häusern auf den Weg geeilt. Weiter unten treffen wir eine andere Nachbarin. Sie trägt einen angefangenen kyondo, ein Korb aus Sisal, bei sich. Da er mir gefällt, frag ich sie ob sie ihn für mich fertig machen würde. Sie freut sich riesig darüber und will ihn bis Freitag für mich fertig flechten. Sie schenkt uns noch 4 Mangos. In der Schule sind die Fundis schon fleissig am Arbeiten. Wir schauen ihnen genau über die Schulter. Mit Stolz arbeiten sie weiter und beantworten unsere Fragen. Während der Schulpause scharen sich die Kinder um uns. Sobald wir ein Foto machen kreischen und lachen sie vor Freude.
Aus Emali bringt ein Mann noch gebrauchtes Motorenöl. Die neuen Holzbalken werden damit eingeschmiert. So halten sie länger und die Holzwürmer nisten sich nicht mehr ein. Wir machen uns nun auf den Heimweg. Der Weg ist steil und das Thermometer zeigt 41° an. Hier kommt selten Wind auf. Dadurch staut sich die Hitze völlig. Trotz allem kragzeln wir den Berg hoch und kommen um halb vier leicht erschöpft zu Hause an. Caro bringt uns auch gleich heisses Wasser. Wir geniessen Tee und dazu Citronencake. Es ist auch eine Wohltat die Schuhe und Socken nach 25 km auszuziehen. Für Heute sind wir viel gelaufen. Wenn ich mich etwas erholt habe, dann schaue ich noch alle mitgebrachten Koffer durch. Für die Kwakakulu und Kwakaleli Schulen haben wir Fussballtenues und Trainer mitgenommen. Morgen wollen wir einen Teil der Kwakakulu Schule bringen. Der Wind bläst jetzt kräftig vom Tal her und führt manchmal auch eine Staubwolke mit. Justus hilft uns die vielen Koffern mit Kleidern, Schuhen, Bett- und Frottewäsche zu Sortieren. So ist dann auch die Verteilung um einiges einfacher.
Es ist dunkel geworden. Zum Abendessen gibt es Matoke, Kochbananen und Kartoffeln, und zum Dessert sonnengereifte Mangos. Anschliessend besprechen wir mit Justus den morgigen Tag. Er muss um 7 Uhr in der Früh das Wasser für die Grossbaustelle bezahlen gehen. Damit ich den Überblick nicht verliere führe ich gleich auch noch meine Buchhaltung nach. Ups; der Geldbeutel ist schon wieder leer. Also steht ein Gang zur Bank auch noch auf dem Programm. Der Wind bläst immer noch kräftig vom Tal her. Dafür sind die Hunde bis jetzt ruhig. Zum 50.Geburi von Sepp trinken wir heute einen kleinen Appenzeller. Mama Kassimu wird für Vibi, der Morgen seine über 6kg schwere Niere entfernt bekommt, heute Abend und Morgen beten. Sie war sehr erfreut darüber, dass sie für ihn beten darf. Sie tut es von Herzen gerne. In Gedanken sind wir natürlich auch bei Vibi.
Die Nacht ist hier wirklich schwarz und jetzt verdecken die Wolken auch noch den Mond. Noch vor Mitternacht plagt mich meine Blase. Mit der Taschenlampe und halb schlaftrunken wandle ich zum Klo. Gut bin ich nicht ängstlich und mit der Natur eins, denn auf dem Plumpsklo leisten mir zwei grosse Kakerlaken Gesellschaft.
Die Hunde blieben in der Nacht ruhig. Dafür wurde der Wind stärker und es hat arg geregnet.
Donnerstag 18.2.2010
Der Morgen präsentiert sich bewölkt und mit feinem Nieselregen. Ich finde mein Mobile nicht mehr. In der Früh bring ich schon die ganze Familie darum in Aufruhr. Nach langem suchen werd ich endlich fündig. Das kleine Ding hat sich tief in eine Tasche verkrochen. Mit 30 min. Verspätung machen wir uns endlich auf den Weg zur Kwakakulu Schule. Nikodemas trägt für uns den Koffer mit den Tenüs und Alex führt den Rollstuhl. Patricie empfängt uns auch Heute wieder sehr herzlich. Wir erzählen ihm unser Vorhaben. Er ruft mit Freude gleich alle Fussballer und Volleyballspielerinnen zusammen. Sie erfahren, dass wir für sie Tenüs mitgebracht haben. Alle kreischen vor Freude und klatschen in die Hände. Bei der Verteilung umzingeln mich alle. Winfried hat beinahe Mühe die Rasselbande in Schach zu halten.
Die Girls und die Boys ziehen sich gleich den Dress über. Der Sportlehrer freut sich ebenfalls über den Trainer. Ganz klar, jetzt muss ein Gruppenfoto her.
Nach so viel Aufregung kehrt bald wieder Ruhe ein. Aber nicht für lange. Gespannt und Neugierig blicken alle auf den Pausenplatz. Ein gehbehindertes Mädchen bekommt noch einen Rollstuhl. Sie ist sehr scheu und kann ihr Glück kaum fassen. Ich erkläre ihr die Funktionen und die Handhabung. Aufmerksam hört sie mir zu.
Wou…. Heute war sehr viel Aufregung in der Schule. Für uns wird es Zeit. Nun geht’s auf in die Stadt. Nach 35 min. Marsch hält Casanga mit dem Pick-up. Super, wieder eine Mitfahrgelegenheit. In der Stadt kaufen wir bei Unkonzo`s Blech, Holz und Nägel für die Kwakaleli Schule. Im Shop arbeiten sie schnell und genau.
Die Besitzerin ist eine richtige Powerfrau. Ganz nach meinem Geschmack. Justus versucht Simon zu erreichen. Wir brauchen ja wieder einen Transport. Mittlerweile ist es im Schatten bereits wieder 31° geworden und die Wolken lockern sich immer mehr auf. Ach ja, ich muss ja noch Geld holen. Nach mehr als 1 ½ Stunden warten kommt Casanga endlich mit dem Pick-up. Das Material ist schnell verladen, dann fahren wir auch gleich los. In der Schule helfen die Schulkinder das Material abzuladen. Anschliessend fährt uns Casanga auch gleich noch nach Hause. So gegen halb 3 sind wir da. Wir gönnen uns eine kurze Pause und stärken uns mit Tee und Mangos. Einer Frau schenke ich noch einen Pullover und eine Jacke. Lopez, die Tochter von Eunice, bekommt zwei Blusen und ein langes, leichtes Sommerkleid. Sie wird es aber zum Schlafen eher gebrauchen. Jetzt marschieren wir noch schnell zur Kwakakulu Schule. Im Gepäck sind nochmals 2 Trainer. Einer für Winfried, der andere für den Headteacher Patricie. Die Fundis haben hier bereits um 6 Uhr in der Früh mit den arbeiten angefangen. Wir freuen uns darüber. Alles läuft wie geschmiert. Nur schade, dass wir nicht so viel Zeit haben um jeweils länger hier zu sein. Wir kontrollieren die Arbeiten der Fundis. Sie sehen gut aus. Sie geben sich grosse Mühe, damit sie für ein anderes Jahr vielleicht wieder für uns arbeiten können. Auf dem Nachhauseweg erzähle ich Justus von der Idee hier in Emali Dorf eine Wasserstation zu bauen. Er hört mir aufmerksam zu. Auch er bringt kurz seine „i have a idee“ ins Gespräch und findet unser Vorhaben sehr gut und spannend.Um halb 6 abends sind wir zu Hause. Heute war es ein langer Tag. Mein Schrittzähler ist bei 20 km stehen geblieben. Langsam ziehen von Osten wieder dunklere Wolken auf. Thomas versucht noch den Hahn beim Wassertank zu reparieren. Da jeder Wasser raus lassen kann und hier eine gute Qualität nicht für jedermann erschwinglich ist, hält auch ein Messinghahnen bei täglichem und mehrmaligem Gebrauch nicht zu lange aus. Ein alter Mann kommt noch vorbei. Seine Kleider sind vom vielen tragen völlig ausgebleicht. Ich schenke ihm zwei T-Shirt, eine Strickjacke, einen Waschlappen, ein Leintuch und ein Kissenüberzug. Er bedankt sich mehr als einmal und seine Augen leuchten vor Freude
Am liebsten beschenke ich die alten und jungen Menschen. Von ihnen kommt die Dankbarkeit am stärksten rüber.
Die Sonne legt sich bald schlafen. Vom Tal her weht ein sanfter Wind. Wir sitzen draussen vor dem Haus und geniessen unseren wohlverdienten Chai. Ich packe gleich die Gelegenheit und erzähle Justus von der Zeitschrift „The Organic Farmer“. Er hört mir wieder sehr aufmerksam zu und zeigt grosses Interesse daran und findet auch diese Idee super. Er meint dann;“ maybe, one time“. Ich kenne ihn mittlerweile auch sehr gut und weiss, dass ich ihn immer wieder daran erinnern muss.
Gemeinsam besprechen wir noch die kommenden Tage. Da wir ja leider immer nur kurze Zeit hier in Emali sein können, muss immer alles gut geplant sein.
Mhh, für Heute gibt es Gugu, Chapati, Kabis und viel extra Sauce. Das ganze runden wir mit feinen Apfelmangos ab. Der Himmel ist nun bewölkt und vom Tal her bläst eher ein warmer Wind. Vielleicht gibt es in der Nacht wieder Regen.

