Jahr 2011
Meine Mutter ist schon eifrig am packen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Justus hat uns das ganze Jahr mit SMS auf dem neuesten Stand gehalten. Thomas ist schon abreise fertig. Mit 2 prall gefüllten Koffern, 35 kg, und einigen Unterlagen und vielen Fragen gehen sie nun wieder im Oktober gemeinsam nach Afrika. Für mich heisst es abwarten und voller Spannung die neuesten Infos aus Emali bei Rückkehr von Thomas entgegen zu nehmen.
Hier hat der Herbst voll zu geschlagen. Die Wälder sind farbig und die Tage werden kürzer.
Eine schlechte Nachricht aus Emali erreicht mich. Eunice hat starken Durchfall und Husten. Mein Hirn rattert bereits wieder und für mich ist es klar; da stimmt was nicht. Wir schicken sie zum Arzt. Die Diagnose lautet Typhus. Aber woher kommt dann der Husten? Im Internet mache ich mich schlau. Da finde ich wertvolle Tips und Hinweise für Eunice. Sie muss sich nochmals gründlich untersuchen lassen, denn ich vermute eine Lungenentzündung. Schaffen das die Ärzte in Emali? Ich werde es erfahren.
Ach, endlich ist es wieder soweit. Schon beinahe ungeduldig reisen wir am 6.Februar wieder in unsere zweite Heimat. Ich bin gespannt wie sich meine Beine halten. Da ich letztes Jahr massiv Probleme hatte, verpasse ich mir, mit Hilfe meiner Nachbarin Mela, eine Thrombosenspritze. Bei traumhaften Wetter und milden 4 Grad holt uns Fredi Z. zu Hause ab und fährt uns zum Flughafen. Am Check – In Schalter bei Swiss hat es eine lange Warteschlange. Da wir Business fliegen ist dies für uns zum guten Glück kein Problem. Eine ältere Angestellte tritt gerade ihren Dienst an. Schnell merkt sie, dass wir zuviel Gewicht haben. Ist ja klar, ich setze eine sehr nette Mine auf und ziehe alle Register.
Wou, dass hat sich voll gelohnt. Im PC gibt sie nur 64 Kg ein und die restlichen 6.6 Kg schenkt sie uns. Aber vor lauter Übergewicht vergisst sie uns die Bordingpässe auszustellen und den roten Kleber für den Rollstuhl mitzugeben. Am Schalter für Speergut werden wir dann nett aufgeklärt. Also nochmals von vorne? Nein, da die Warteschlangen jetzt immens lang geworden sind stehe ich nicht nochmals an. Ich drängele mich an die Front und erhalte den roten Kleber und unsere Bordingpässe ohne grosse Mühe. Wir erfahren nun, dass die nette Dame nur 2x pro Monat am Schalter sitzt und mit den wieder kehrenden Änderungen so ihre Mühe hat. Somit erklärt sich auch unser Durcheinander. Im Duty-Free kaufen wir noch unsere „Medizin“ ein und machen uns auf zum Gate E.
Pünktlich fliegen wir ab. Im Flugzeug erfahren wir dann, dass wir über den Kilimandscharo International Airport fliegen und nicht über Nairobi. Ist egal, Hauptsache, wir kommen gut an.
Montag 7.2.2011
Etwas früher als geplant landen wir in MBS. Der Himmel ist leicht bewölkt bei guten 30 Grad. Seit langem passieren wir den Zoll mit dem Gepäck ohne grosse Disskusionen. Nur der Rollstuhl weckt kurzes Interesse beim Zöllner. Da der Verkehr in MBS stark zugenommen hat, haben Justus und Mum etwas Verspätung. Sie sind im Stau stecken geblieben. Auch das ist uns egal. Von der ersten Sekunde an spüren wir den Puls von Kenya. Ein gutes und vertrautes Gefühl.
Zu Hause im Chania sieht noch alles gleich aus. Nur die Fächerpalme ist stark gewachsen. Eigentlich erstaunlich, hat es doch hier im November das letzte Mal geregnet. Zu Frühstück gibt es selber gebackenen Zopf. Unsere Mitbringsel wie dunkles Brot, Käse, Bratwürste, Medikamente und Geschenke sind schnell ausgepackt und verteilt. Meine Beine und Füsse haben sich mit der Spritze sehr gut gehalten. Das Thermometer zeigt nun im Schatten 35 Grad an. Die Wärme setzt meinen Füssen doch noch etwas zu. Nichts desto trotz mache ich zuerst meine Arbeit. Der Reisetag nach Emali muss gut geplant sein, die Koffer zum Teil neu gepackt werden und die Buchhaltung steht auch noch auf dem Programm.
Ein Teil der Arbeit ist nach einiger Zeit getan. Thomas fallen beinahe die Augen zu. Er legt sich schlafen. Mum begleitet mich zur Beach. Da Ebbe ist müssen wir weit raus zum Wasser laufen. Der Wind weht kräftig vom Meer her und meinen aufgeschwollenen Füssen tut das Salzwasser sehr gut.
Vor und nach dem Abendessen erfahren wir einige News. Zum einten gibt es seit dem 1.1. ein neues Alkoholgesetz. In den Geschäften dürfen sie erst ab 10.30 Uhr Alkohol verkaufen und alle Bars dürfen erst ab 17.00 Uhr Alkohol ausschenken. Als Europäer kann man sich eine spezielle Karte ausstellen lassen. Dazu braucht es den Pass und eine schriftliche Bewilligung des Wirtes. Die Karte muss jedes Mal strikte vorgewiesen werden. Zum anderen wird das Wasser immer mehr zu einem grossen Problem. Überall im Land leeren sich die Reservoirs. Wir müssen das Wasser zum Duschen sehr gut einteilen. In Emali sind alle Wasserstationen auch geschlossen. Für die Bevölkerung ein schier unlösbares Problem. David versucht nun in Sultan Hamud Wasser zu bekommen. Dass bedeutet, dass er nur mit einem Traktor gehen kann und es wird dadurch sicher sehr teuer.
Dienstag 8.2.2011
Wir haben gut geschlafen und meinen Füssen und Beinen geht es auch gut. Im Meer nehmen wir ein erfrischendes Bad. Der Himmel ist bewölkt. Justus geht für uns wie immer auf dem Schwarzmarkt Geld wechseln, derweilen stellen wir die Einkaufsliste zusammen und Mum stänkert vor sich hin. Die Wolken haben sich verzogen, es wird heiss.
Mit dem Taxi fahren wir zur kenianischen Migros, dem Nakumatt. Hier kaufen wir unsere Sachen und Lebensmittel die wir in Emali nicht bekommen.
Jetzt ist es wirklich heiss geworden. Thomas kontrolliert mit Justus die Buchhaltung der letzten 3 Monate. Winnie, seine Schwester, hat mit einem Lehrer zusammen alle Belege von Eunice fein säuberlich zusammengestellt und aufgeführt. Nach gut 1 ½ Std. ist die Kontrolle beendet. In der Zeit packte ich alle Lebensmittel in zwei Boxen und zusätzlich noch zwei Koffer. Mum ist mit der Lasagne beschäftigt. So gegen vier Uhr Nachmittags sind alle soweit. Justus geht ins Shanzu um Geld mit Mpesa für unser Wasser in Emali David zu überweisen. Wir geniessen draussen einen gekühlten Weisswein. Ich überlege mir, ob wir auch wirklich an alles gedacht haben.
Es fliesst immer noch kein Wasser in den Tank. Langsam wird es auch hier eng, sehr eng. Wir spielen als Ablenkung einige Runden Rummy. Der zweite Tag geht langsam zu Ende. In gut 30 Min. ist es dunkel. Im Haus, sowie draussen zeigt das Thermometer 30 Grad an und das Wasser lässt auf sich warten. Wir, Thomas und ich, entschliessen uns heute nicht mehr zu duschen. Von Justus erfahren wir, dass in Emali für uns alle auch noch kein Wasser da ist. Ich stell mich schon mal darauf ein, dass eine wohltuende Kübelidusche in weiter Ferne liegt.
Mittwoch 9.2.2011
Wir erwachen noch vor dem Wecker. In der Nacht hat sich der Tank doch noch gefüllt. Das Duschen tut sehr gut. Um 7 Uhr kommt ein grosses Taxi und ohne Mühe hat der Rollstuhl, 3 Koffer, 2 Schachteln und 2 Taschen im Taxi versorgt. Da wir in Bombolulu mit Stau rechnen, entscheiden wir uns über Nyali zu fahren. Doch schon nach kurzer Zeit stehen wir auch hier im Stau. Der Verkehr droht zusammen zu brechen. Hoffe nur, dass wir pünktlich und ohne andere Zwischenfälle bei der Busstation ankommen.
Trotz viel Stau stehen wir plötzlich bei der Busstation. Das Gepäck ist schnell ausgeladen. Da der klimatisierte Warteraum frisch gestrichen ist warten wir lieber draussen im Schatten. Die acht Gepäckstücke werden nun mit der Sitzplatznummer versehen. Jetzt heisst es warten bis der Bus fährt. Auch Heute wird es wieder heiss. Um halb neun ist es bereits 30°.
Kurz vor neun Uhr kommt der Bus. Die Passagiere fangen an zu drängeln. Jeder will sein Gepäck als erstes verladen zu wissen. Bis alles verstaut ist braucht es so seine Zeit. Die Sitzplätze sind eng. Thomas weiss nicht so recht wo er seine langen Beine hin tun soll. Wieder wird von allen Passagieren ein Foto gemacht. Puh, wir schwitzen nun so vor uns hin. Ein Sony Flachbildschirm hängt vorne und laute Musik erklingt aus den Boxen. Bald geht die Fahrt los. Hoffe, wir kommen heil an.
Wenn ich so ins Land schaue kommen mir beinahe die Tränen. War dass hier doch einst alles grün und voller Blüten. Nicht einmal mehr die bunten Schmetterlinge sind sichtbar. Es fehlt einfach an Regen. Das saftig grüne Afrika präsentiert sich von einer ganz anderen Seite. Die heisse Sonne hinterlässt ihre Spuren sehr tief, standen doch einst die Bäume in den schönsten Grüntönen da. Jetzt erblicken wir nur noch kahle und ausgetrocknete Landschaften. Überall sind nur noch verdorrte Äste zu sehen.
Justus erhält von David einen Anruf. Er lässt uns mitteilen, dass die Wasserstation wieder offen ist und dass das Wasser langsam fliesst. Also klappt es doch noch mit dem blauen Gold. So gegen halb vier kommen wir in Emali an. im Schatten zeigt das Thermometer 34 ° mit einem Wind der die Landschaften noch zusätzlich austrocknet. Da Justus die neue Handy Nr. von Simon nicht weiss, besuchen wir in zuerst im Shop. Wir fragen ihn für den Pick-up als Transportmittel nach Hause. Er freut sich uns zu sehen und meint, die Zeit sei doch schnell vergangen. Auf dem Markt kaufen wir noch frisches Gemüse und Früchte. Auch dem kleinen Supermarkt statten wir einen Besuch ab und durch die Stadt zieht eine heftige Windrose ihre Runden.
Da Casanga in Nairobi am arbeiten ist, haben wir dieses Mal einen anderen Fahrer. Oh mein Gott, wenn das nur gut geht. Der ältere Mann ist total unsicher. Die Fahrt bis nach Hause wird und ist ein Abenteuer.
Hier endlich und auch ganz angekommen, ist im Moment nur Mama mit Maria und vereinzelte Kinder. Trotz ihrer Demenz erkennt sie uns sofort und freut sich, dass wir wieder da sind. Bevor es ganz dunkel wird, richten wir unsere Betten und fangen an unser Gepäck aus zu packen. Um das Haus scharen sich immer mehr Kinder auch aus der Nachbarschaft und die Frauen kehren von einem Meeting zurück. Eunice kommt als erste zu uns und begrüsst uns überschwänglich. Sie erwähnt dabei auch gleich, dass er ihr gesundheitlich viel besser geht. Ich bin ja so froh darüber. Mussten wir doch einige Wochen Angst um sie haben. Bis an die gesammelten Kleider haben wir alles ausgepackt und sind für die kommenden Tage eingerichtet. Ohje, da Mum die Cakes früher als geplant aus dem Gefrierfach nahm, haben wir noch Dudus aus MBS mitgeschleppt. Jetzt müssen wir eine Killeraktion starten. Hoffe, dass wir alle erwischen.
So nun wird es aber mal Zeit für einen Chai. Anton leistet uns dabei wie immer Gesellschaft. Der Tag neigt sich dem Abend zu und bevor es ganz dunkel wird gönnen wir uns eine Kübelidusche. Eunice ist mit Maria am Abendessen kochen. Maria ist neu hier und schaut zur Mama, sozusagen als Betreuerin.
Während und auch nach dem Essen sprechen wir über vieles mit Justus. Ich versuche auch neue Wörter in Kikamba zu lernen. Das ist manchmal wirklich nicht so einfach. Meistens hapert es mit der Aussprache.
Donnerstag 10.2.2011
Nach einer sternenklaren Nacht erwachen wir so gegen sechs Uhr früh. Der Hahn kräht aus voller Kehle und die Kinder machen sich parat, damit sie rechtzeitig zur Schule kommen. Frühstück gibt es keines. Der Junge von Eunice ist krank. Er hat in der Nacht immer wieder stark gehustet. Die Sonne steigt am Horizont hoch. Um 7 Uhr zeigt das Thermometer angenehme 20° an. Den ersten Tag starten wir gemächlich. Unser Frühstück ist wie immer sehr bescheiden. Einige Toastscheiben, Tee und Kaffee. In den mitgebrachten Koffern suche ich Kugelschreiber und Hemden für die Fundis zusammen. Langsam machen wir uns auf den Weg zur Kwakaleli Schule. Es ist noch windstill und bereits sehr warm. So gegen 11 Uhr erreichen wir die Schule. Joel ist hoch erfreut und begrüsst uns mit seinem breiten Lachen. Den Brief, den ich ihm mal geschickt habe, hat er allen vorgelesen. Er ist heute noch stolz darauf. Es freut ihn auch sehr, dass ich ihm einige Wörter auf Kikamba geschrieben habe. Im Office betet er zuerst für uns. Draussen warten die Fundis. Einige von ihnen sind bereits da. Zusammen kontrollieren wir die Arbeit. Wir sind total gespannt darauf. Zuerst machen wir den Rundgang am Gebäude vom letzten Jahr. Es sieht sehr gut aus. Da die Schulkinder zugleich noch Pause haben, erschwert es das Fotografieren.
Auch dass im Januar sanierte Gebäude sieht toll aus. Wir sind überrascht, wie gut die Sanierung geworden ist. Sogar die Eingänge sind Rollstuhlgängig gebaut und um das ganze Gebäude herum ist ein solider Sockel, der das Regenwasser weiter leitet. Die Fundis haben wirklich sehr gute Arbeit geleistet und dass in gut 2 ½ Wochen. Ein Gruppenfoto ist unumgänglich. Sie freuen sich auch riesig über die Kugelschreiber und die Hemden. Zurück im Lehrerzimmer offeriert Joel allen ein Süssgetränk. Eine Lehrerin spricht für uns ein Gebet. Joel und Justus wollen noch einige Worte in der Gemeinschaft loswerden. Auch von mir erwarten sie einige Worte. Ich mag nicht so recht und bedanke mich schlicht aber herzlich für die Gastfreundschaft und die gute Arbeit die alle zusammen gemacht haben. Als Dank für alles erhalten wir von Joel einen prächtigen Gockel und ein Huhn. So um 13 Uhr gehen wir zurück nach Hause. Unterwegs treffen wir auf einen alten Schulfreund von Justus. Er verkauft uns 20 Mangos für nur 50 khs. Dass ist beinahe schon geschenkt. Es ist drückend heiss geworden. Auf dem halben Weg begegnen wir einer alten Frau. Sie selber meint, dass sie 120 Jahre alt sei. Die anderen um uns herum bestätigen das. Wir fragen uns ob dies wirklich war ist. Wir glauben ja einiges, aber dies? Wir gehen weiter. So gegen halb drei sind wir müde wieder zu Hause. Für heute reicht es uns. Im Schatten ist es 37° und an der Sonne zeigt das Thermometer 54° an. Wir stärken uns mit Tee, Cake und frischen Mangos. Der Gockel hat so seine Mühe. Das Huhn ebenso. Wir haben die zwei Tiere in einer Schachtel getragen. Die Hitze macht auch ihnen zu schaffen. So langsam erholt sich das Huhn. Aber für den Gockel war es schlichtweg zu viel. Bevor er an Erschöpfung stirbt, wird dem Elend ein Ende gesetzt. Die Hunde haben endlich wieder mal was zu fressen. Schade, er war ein schöner Kerl.
Im späteren Nachmittag gehen wir zum Shamba von Justus. Wir wollen seine jungen Mangobäume bestaunen. Mit Stolz zeigt er uns sein Ackerland, das von Anton, Eunice und das von Mama. Überall ist der Mais total vertrocknet. Wir sprechen über den Anbau anderer Sachen wie Kartoffeln, Tomaten, Hirse oder Sorghum. Leider wächst hier wegen dem Boden nur Mais und Bohnen. Dafür gedeihen dieses Jahr die Äpfelmangos besonders gut.
Wir gehen wieder nach Hause und freuen uns über eine erfrischende Kübelidusche. Anschliessend sortiere ich noch die mitgebrachten Kleider. So habe ich es einfacher bei deren Verteilung. Thomas versucht seine Stirnlampe zu reparieren. Eine Schraube hat sich gelöst. Leider funktioniert dies nicht. Dafür habe ich mehr Glück. Mit einer winzigen Sicherheitsnadel ziehe ich im Halbdunkel bei einer Trainerhose eine Kordel ein. Die Frauen sind in der Küche fleissig am kochen. Heute gibt es Gugu, Chapati und Kabis. Zum Dessert geniessen wir ein wenig Ananas. Der Rest bekommt Eunice und ihr Sohn. Sie war mit ihm heute in der Klinik in Emali. Jetzt hat er eine Lungenentzündung. Drei Spritzen und Medikamente sollen ihn heilen. Von mit erhalten sie täglich eine Vitaminbrausetablette. Sie wird den Heilungsprozess sicher fördern.
Für Heute sind wir 20 km weit gelaufen und dass bei der Hitze. Wir sind total müde.

